Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

EncyclopSdic der Rechtswissenschaft. 17
Geographie und resp. äußere Statistik erhielt, war doch auf
das Princip der wissenschaftlichen Aristokratie der. Concilien,
und der dadurch entstandenen eunones gebaut, und der Zweck
aller Politik erreicht, wornach ohne Veränderung in der Ver-
fassung eine freie Verwaltung möglich wird. Da, woher
Glaube auf einer unveränderlichen Ansicht ruht, ist auch die
Verfassung und Verwaltung leichter; freilich wenn Scrupel in
der ersten Hinsicht entstehen, muß die zweite fallen, und ■ so ist
mit der Reformation das ganze System der katholischen Hie-
rarchie unter den Protestanten verändert worden.
Von Seite der protestantischen Canonisten wäre es gut, wenn
dieses gleich vorneherein anerkannt würde, und wenn man sich
denn bestrebte, das katholische System ohne die Rücksichten vor-
zutragen, welche der Protestantismus erzeugen mußte, und
welche als ein blos einseitiges und fremdes Element in das ca-
nonischc Recht eintreten.
Wieviele Verwickelungen in Deutschland wären erspart
worden, wenn man die Katholiken nicht nach einer neueren An-
sicht von dem canonischen Rechte, sondern nach dem Geiste des
canonischen Rechts selbst beurtheilt hätte? Allerdings muß denn
der Staat seine Politik außer der Polemik des KatholicismuS und
Protestantismus setzen; er muß selbst frei von allerlei unklugen
roservutiones mentales seyn, und die Freiheit des Denkens
und Gewissens, welche so oft gepredigt und in Constitutionen
eingegraben worden ist, practisch machen. Dabei werden die
Katholiken ebensoviel gewinnen, als die Protestanten, jene die
Freiheit ihrer Kirche, diese die Freiheit ihrer Lehre. Jene le-
ben in ihrer Kirche durch ihre Wissenschaft, diese kämpfen um
ihre und außer ihrer Kirche durch ihre Wissenschaft: der Ka-
tholik lernt bei diesen den Frieden seiner Kirche und die Zü-
gclung jedes Ercesses: der Protestant lernt bei den Katholiken
die Nvthwendigkeit der Einheit des Glaubens und des Cultus.
Zufällig wichtig ist für die Juristen, daß diejenigen juri-
stischen Disciplinen, welche der germanischen Welt angehören,
auf dem canonischen Rechte ruhen: das Staatsrecht, der Civil-
und Criminalprvzeß, die Polizey, und der Particularismus des
Rechts überhaupt. Da sich aber die Kirche um die äußere Be-
strafung der Verbrechen nicht kümmerte, so hat man sich hier
diel an das römische Recht gehalten, und es gibt keine Wiffen-
Roßhirt, Zeitschrift. Bd. V. Heft t. 2

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