Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

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Ueber Jrrthum, Betrug und Zwang.
gung, dasselbe, was im römischen Rechte bei dem wesentlichen
Jrrthume vorausgesetzt wird, bleibt dieselbe47). Indessen ist doch
1) in der Beurcheilung des Zwanges und der Furcht
Manches dem Richter überlassen, sodann
2) ist es richtig, daß die nachfolgende Anerkennung wirke,
und nur factisch ;u fragen ist, wann eine solche anzunehmcn sey 4S),
Die einzelnen Rechtsgeschäfte werden nicht unterschieden.
8. Betrug und Jrrthum.
Der Betrug wird im preußischen Landrechte auf den Stand-
punkt des Jrrchums hingeführt und darnach angenommen, daß
wenn der Jrrthum die Einwilligung entziehe4#), das Geschäft
ab initio nullum ") sey. Läßt sich aber diese Richtung nicht
annehmen; so kann der Betrogene den Vertrag halten, sa der
Betrüger selbst soll die Klage haben, daß der Betrogene sich
erkläre, ob er bei dem Vertrage stehen bleiben oder davon ab-
gehen wolle4').
Schon aus diesen Darstellungen sieht man, wie schwer es
ist, in der preußischen Gesetzgebung einen durchgreifenden all-
gemeinen Standpunkt zu finden. Jedoch schadet auch in dieser
Beziehung die Gesetzgebung nicht, wenn man nur die römischen
Ansichten kennt, und die Sätze des preußischen Landrechts dar-
nach sich anschaulich macht. Schlimm war es, daß man im
18ten Jahrhunderte diese Gesetzgebung machte, und daher konnte
v. Savignp mit gutem Rechte sagen, es sei in einer solchen
Gesetzgebung Manches undeutlich und nicht theoretisch fest ge-
nug; aber der Practiker kann sich doch der Sätze leicht bemei-
stern, wenn er eine gute theoretische Richtung hat, und daher
sind diese theoretischen Theile des preußischen Landrechts der
Fortentwicklung der Rechtswissenschaft keineswegs gefährlich.
47) Koch, a. a. O. S> 96.
48) Koch verwirft diese Meinung, weil er eine unrichtige An-
sicht des römischen Rechts hat.
49) Welche Klage hier starrsinde, ob ein- versönliche oder ding-
liche Klage ist sehr zweifelhaft.
*<>) I. 4. §. 89; der Gesetzgeber hat die Leyser'sche Theorie
im Auge gehabt; Koch/ S. 109.
SO Koch, S. 108. Viele behaupten, auch der Irrende könne
den Vertrag halten: allein dies versteht sich von selbst.

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