Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

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lieber Jrrthum, Betrug und Zwang.
dadurch unterscheiden sich die gratuiten Geschäfte, wie das
commodatum, depositum, precarium pon der Schenkung.
Bei der Schenkung war eine Revocatio» zugelasscn, aber wahr-
scheinlich gab es auch bei den pactis donationis die excep-
tio doli. Ja, wenn die Schenkungen vollzogen waren, und
ein großer Betrug nachzuweisen ist, gab es gewiß auch die
actio subsidiaria de dolo. Jetzt pflegen wir die Schenkun-
gen wie b, f. negotia anzuschen.
II. Geschäfteyon Todeswegen.
Es gehören hierher die Testamente, Vermächtnisse und do-
naliones mortis causa.
A. Bei den Testamenten hatte das römische Recht die
Sache ernster genommen. Unzweifelhaft ist es, daß, wenn durch
Zwang oder dolus die Errichtung, Aufhebung oder Abänderung
eines Testaments verhindert wird, der Zwingende oder Betrü-
ger sein ihm durch Einsetzung gegebenes Recht zu Gunsten des
Fiscus verliert. Aber bestritten ist es, wenn Jemand durch Zwang
oder Betrug zu einer lctztwilligen Verfügung veranlaßt wird,
ob auch hier dieselbe Folge eintrete, oder ob vielmehr das Te-
stament zu Gunsten der Jntestat-Erben nichtig sey.
Daß in dem letzten Falle von einem Jrrthume nicht die
Rede sein kann, ist schon erwiesen. (§. 1.) Ganz Unrecht hat
v. Vangerow II. Bd. S. 96., wenn er hier den Betrug
als Jrrthum aufstellt, denn der Jrrthum in Beweggründen ist
kein Jrrthum, folglich muß man lediglich auf die Natur des Be-
trugs zurückkehren. Der seel. Mühlenbruch schließt am Ende
des letzten und 43ten Bandes des Glück 'scheu Commentars
mit gutem Grunde, daß v. Vangerow sehr incousequent
sey, sofcrne er von unsrer Theorie des Betxugs ausgehe, ‘
aber in dem vorliegenden Falle den Betrug in den Jrrthum
zurückführe, denn gerade dadurch vernichte v. Vangerow die
Erbeinsetzung durch Betrug, wie es auch Mühlenbruch und alle
Praktiker vor ihm thaten. Dcr Jrrchum aber kann nur absolut ver-
nichten, und wer den Betrug auö dem Standpunkte des Jrrthums
erklären will, muß das Testament absolut vernichten. Aber wie?
das durch Betrug gemachte Testament wird so angesehen, wie
wenn es gar nicht gemacht wäre! Also wäre hier der Jrrthum
in den Beweggründen ein wesentlicher, er wäre mehr als der
Betrug, der nicht anullirt, sondern nur infirmirt!!!

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