Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

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Ueber Jrrthum, Betrug und Zwang.
Soweit sie ater auf Rechtsgeschäfte geht, so ist sehr ge-
fehlt, daß man sowohl im Corpus juris Just, wie in den
neueren Lehrbüchern einen falschen systematischen Standpunkt für
dieselbe ergriffen hat. Die Lehre vom dolus und von dem
wetus gehörte zu den Obligationen, sowie die Lehre von der
exceptio in die Prozeßlehre. Allein da man die prätorischen
Delicte nicht in dem Corpus juris aufstellte, so fand man es
am besten, diesen Gegenstand zu der Restitution zu stellen, wo-
mit man auch noch viele andere Lehren verband, die dorthin
nicht gehörten **J. Dabei war die Sache unverfänglich, da
die Contractsklage vielfach aushalf, und bei den Delicten in
der Lehre vom Stellionate schon bemerkt war, daß, wo von
einem Betrüge die Rede sey, man immerhin auch die actio
doli gebrauchen könne, sowie auch bei dem crimen de vi und
bei dem interdicto de vi, daß man auch die actio quod
wetus causa anwenden könne.
Aber auch in unfern Lehrbüchern ist' die Sache falsch ge-
stellt; denn
1) im allgemeinen Theile stellt man diese Lehre bei den
Restitutionen auf, während sie als solche gar nicht praktisch ist,
2) im besonderen Theile kommt sie vor bei allen Verträ-
gen und in der Erbeinsetzung,
3) vergessen dagegen wird sie in Beziehung auf Dritte als
Delikt,, und
4) überhaupt ein allgemeiner Standpunkt derselben über
alle Rechtsgeschäfte wird kaum gegeben, außer daß man die
negotia stricti juris und bonae fidei unterscheidet, was
aber nur für die römische Rechtsgeschichte, nicht aber für unsre
Praxis Bedeutung hat 1S).
Es jey uns nun erlaubt
I. von diesem historischen Unterschiede zu reden, und von
demjenigen, was hinsichtlich der Wirkung der Nullität damit
Zusammenhängt: sodann
H. auf die einzelnen Privatrechtsgeschäfte überzugehen.

^2) Vergleiche die einzelnen Titel des IV. Buches der Pandeelen.
23) Selbst wenn Betrug und Zwang bei den Rechtsgeschäften
aufgestellt werden, gebt man nicht von der Natur der Sache
sondern von diesem veralteten Unterschiede aus.

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