Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

lieber die Methode bei der Rechtsgeschichte. 20t
durch daß sie unter den obenangegcbcnen 3 Quellen die dritte
Quelle oder die sogen, äußere Rechtsgeschichte zur leitenden
Idee erhebt. Das deutsche Privatrecht setzt ebenfalls die äußere
Rechtsgeschichte voraus, und ist in Hinsicht auf die innere Ein-
richtung des deutschen Rechts die wahre und eigentliche Disci-
plin. Dem wissenschaftlichen Germanisten wird cs nicht cin-
fallen, neben seinem gerinanicum noch eine besondre lliston'a
juris germanici zuzulassen. Will sich der Gcschichtsmann hel-
fen, so schlüpft er in die politische Geschichte hinüber, wo-
durch er den gehörigen Raum zur Ausdehnung seines Vortrags
und seiner gelehrten Werke findet. Seine Geschichte ist dann
eine Staatsrechtsgeschichte, aber auch diese geht wieder im
Staatsrechte auf, weil auch dieses der historischen Einleitung
bedarf, und weil in der That aus dem juristischen Standpunkte
im Gegensätze der politischen Historie das S p stein der Haupt-
gedanke ist.

8. 3.
Dem Strafrechte ist in Deutschland ein eigenes Loos ge-
fallen. Durch die unter Carl V. geschehene Gesetzgebung ist
daraus eine eigne Wissenschaft geworden, ebenso wie durch das
kanonische Recht der Prozeß. In dem lctztren Falle hat früher
schon die Wissenschaft geholfen, bis auch hier die neuere Ge-
setzgebung sich anschloß: in dem andren Falle aber das Rcichs-
gesetz. An sich hängt das Strafrecht vielfach mit dem öffentlichen
Rechte zusammen, und das römische Recht behielt nur deshalb
mehr Einfluß auf das gerinanische Recht, weil die Kirche auf die
ckeiicta saecularia sich wenig eingelassen hatte. In diesen
Verbrechen ging man also wegen der Begriffe auf die rö-
mischen quaestiones perpetuae und auf die römische Juris-
prudenz zurück. Im Uebrigcn herrscht doch überall germanische
Rationalität, und auch hier ist es nicht mit der römischen Rechts-
geschichte abgethan, wie sie sich unter Justinian/äbschloß,
sondern es gibt ein davon verschiedenes deutsches Strafrecht,
welches nur chronologisch behandelt werden kann, uud die Auf-
nahme römischer Begriffe gleichsam als Episoden ansicht.
In diesem Geiste ist auch unsre Geschichte hes deutschen
Strafrechts gearbeitet, was des Gegensatzes wegen/ uns auf ein
andres Werk hinführt. j
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