Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

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Necensionen.

ses System auf das Höchste gebracht, und darnach sind denn
auch die Strafgesetzbücher geschrieben, für welche die der franz.
Revolution vorausgegangenen Grundsätze die praktische Bahn
geben.
Aber die Geschichte oscillirt: und dem Rationalismus tritt
wieder das reinere Christenchum entgegen: unbewußt führt der
praktische Sinn zu den im canonischen Rechte schon geheiligten
Pönitentiaranstalten, wobei freilich wieder der Rationalismus
eingreift, weil iminer die alten Erinnerungen der unmittelbaren
Vorzeit bleiben, und wir machen nur auf den Kampf des Sy-
stems mit Schweigen und ohne Schweigen der Detinir-
ten aufmerksam. Wollte man von diesem rationalistischen Grund-
sätze ausgehen, so würde man das erste nur auf gefährliche
Männer anwenden können, die kaum zu bessern sind; das andre
würde aber gewiß auf Frauen und junge Leute passen.
Doch hievon ist nicht die Rede. Sichrer ist der Vorschlag
alle Detentionsanstalten nach drei Klassen abzutheilen: in ju-
gendliche Verbrecher, in Weiber, und in Männer.
Der allgemeine Zweck bei allen Detentionsanstalten muß
der der Besserung seyn, wobei jedoch die einzelne Person zeigen
wird, wie weit man auch auf die Versichemng ihrer Persönlich-
keit Rücksicht zu nehmen hat. Namentlich wird,
») der Befferungszweck bei jungen Verbrechern am leich-
testen durchzuführen seyn, ja man wird hier mit Vertrauen mehr
wie auf andre Art wirken. Ri ecke führt ein sehr schönes Bei-
spiel an, wie das einem entlaufenen Detinirten unmittelbar in
einem Geldgeschäfte bewiesenen Vertrauen denselben zum dauren-
den Erwachen seines moralischen Gefühls brachte. Diese Anstalten
verlangen übrigens so viel von der Persönlichkeit des Mannes,
der Aufsicht, welcher mit begeisternder Liebe mehr lehren als
befehlen muß, daß blos dadurch der rechte Zweck einer solchen
Anstalt erreicht wird.
b) für Weiber ist keine Wirksamkeit besser, wie die der
unmittelbarsten Religion, und zwar nicht blos durch Männer
ertheilt, sondern auch durch Weiber, welche nicht blos den Zweck
des Unterrichts als vielmehr den der wahren christlichen Liebe
unter die verbrecherischen Weiber zu bringen und zu erhalten
suchen. Ri ecke macht uns aufmerksam, was in dieser Hinsicht
die bekannte Elisabeth Fry gethan hat,

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