Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

ISS

Recensione».

lichkeiten ein ungeheures Publicum gewonnen hatte, in dessen
Büchern aber am besten erkannt wird, daß in der Klarheit kei-
neswegs die Tiefe und Wahrheit der Gedanken liegt.
4) Er hat die noch sonderbarere Lehre der neueren phi-
losophice »den Prozessualisten über rechtserzeugende, rechts-
hindernde, und rechtszerstörende Thatsachen widerlegt, die aller-
dings einige Tiefe der Behandlung zeigt, aber der einfachen
Klarheit und Wahrheit nicht entspricht.
5) Die Interpretation des kanonischen Rechts, von welchem
am Ende Alles im Prozesse abhängt, und welches sich hier
hauptsächlich auf die Glossen stützte, weil man damals die
Historie des römischen Rechts nicht verstand, und weil auch die
Glossen über das römische Recht nicht selten philosophirten, hat er
vorzüglich gut gegeben, und zwar nach dem eben eröffneten
richtigen Standpunkte.
6) Einigen Blick hätte er noch in den französischen Prozeß
thun sollen , denn er hätte hier erfahren können, daß ein wirk-
lich historisches Recht eine bessere Richtung der Erklärung ge-
währt, als ein abstrahirtes Recht: denn Alles dasjenige, was
Hr. Rizy über die österreichische Gerichtsordnung uns gesagt
hat, ist in dieser Gesetzgebung so unklar, wie in allen deutschen
Lehrbüchern des Prozesses, und die Verdienste einiger Commen-
tatoren darüber bestehen nicht in der richtigen Erklärung der
österreichischen Gerichtsordnung, sondern in ihrer eigenen An-
sicht selbst. Freilich sind die Worte der G. O. so allgemein,
daß man auch dte Ansichten der Ausleger derselben unterschie-
ben kann.
Das Werk Rizy's führen wir übrigens deshalb hierauf,
weil die Methode dieser Schrift uns die rechte scheint, weil
wir durch sie von dem antiquarischen Begriff der actio und
exceptio loskommen, weil Alles auf dem logischen Begriff des
factum hingeführt ist, welchen auch der römische judex vor
sich hatte, und weil demnach in dieser rein menschlichen und lo-
gischen Lehre das freie arbitrium des Richters viel mehr ver-
mag, wie Schulddefinitionen, wobei wir übrigens nicht leugnen,
daß es gut seyn wird, wenn nach dieser richtigen Methode die
Grundsätze für die einzelnen Arten der Prozesse weiter ent-
wickelt und dem Practiker zur lebendigen Anschauung gebracht
werden. —

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