Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

178 Nach welchen Grundsätzen werden die Rechte der Völker rc.
Fortgang der Jahrhunderte und der Nationalentwickelung in
der Rechtsgeschichte der Völker verschwinden. In der That aber
ist das römische Recht erhalten worden, damit es der erste Stein
sey unsrer rechtlichen Denkart, sofort kam die Wiedergeburt des-
selben in der Vorstellung des Mittelalters durch das canonische
Recht, so daß sich diese beiden großen Sammlungen mit den
Einzelnheiten und Gewohnheiten des germanischen Rechts ver-
banden. Und so darf man deutsche Institute so wenig aus
einzelnen Diplomen und Gewohnheiten, wie aus der Namens-
ähnlichkeit mit Objecten des römischen Rechts erklären, sondern
man muß das Princip da suchen, wo es aufgestellt ist, vor-
ausgesetzt, daß es in einer Sammlung steht, deren Reception
entschieden ist. Und so ist nicht zu zweifeln, daß der kirchliche
Zchenden nach dem Begriffe des kanonischen Rechts die Regel
bildet, daß zwar wohl an einzelnen Orten der Besitz der Zchcnd-
herren den nächsten Schutz darbietet, daß aber, wo die Kirche
das Zehendrccht hat, sie in der Collision immer als decima-
tor universalis angesehen werden muß, bis der Mitbcrechtigtc
seinen Titel und dessen Umfang darthut.
Neuere politische Verhältnisse ohne juristischen Grund ha-
ben die Sache verwirrt: der Eine behauptete, der Zehend scp
eine Steuer, der Andre behauptete, er sep eine gemeine bald
weltliche bald geistliche grundhcrrliche Last: die Zeit aber war
so unlauter, daß man von dem verhaßten Kirchenrechtc gar nicht
sprechen wollte, denn es gelte ja eines weltlichen Rechtes. Bes-
ser hätte man gethan, zu zeigen, wie auf den Unterschied der
geistlichen und weltlichen Privatrechte gar nichts ankömmt, und
daß, wenn der Zehend keine Staatssteuer ist, dem Privatrechte
der Kirche ebenso Sorge getragen werden muß, wie dem Pri-
vatrechte einzelner Bürger, und daß man auf das canonische
Princip so gut Hinsehen darf, wie auf die alten Diplome und
Controversschriften verwirrender Parthcimänner.
Man hätte also lehren müssen:
1) nach der Präsumtion des kanonischen Rechts als eines
gemeinen Rechts ist die Kirche decimator universalis,
2) der Säeularzehendherr muß feinen Titel angeben oder
dasjenige, was diesein gleich gilt.

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