Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

10 Eneyclopädie der Rechtswissenschaft.
der Religion selbst. Begreiflich ist es, daß die animalischen
Bedürfnisse der christlichen Bestrebung untergeordnet wurden.
Jus gentium aber wurde jetzt das römische Recht, und
ihm gegenüber stellten sich die Gewohnheiten und Sitten der
Deutschen als jus civile. Diese aber ließen sich nur an ein-
zelnen Orten und unter einzelnen Ständen nachweißen, und
waren so zu sagen ein partikuläres Civilrecht, wodurch es denn
kam, daß man das römische Recht in der Anwendung auf unsre
Zeit als gemeines deutsches Civilrecht darstellte. Das particu-
lare deutsche Civilrecht war Land- und Lehenrccht, obgleich
man auch in beiden Verhältnissen sich beschäftigte, eine allge-
meine Richtung diesen deutschen Gebräuchen durch die Wissen-
schaft zu verschaffen.
Der eigentliche deutsche Practiker gab sich vorzüglich mit
dem Land- und Leh.enrechte ab, und nur seltner fand er
sich in dem römischem Rechte als seinem allgemeinen Rechte.
Dennoch blieb die Wissenschaft des Land - und Lehenrechts
der Form nach ebenfalls römisch: die römischen Rechtsbegriffc
wurden darauf angewendct, und gerade hier sah man, wie
römische Jurisprudenz durchaus die einzige und normirende ist.
Um mich aus meiner Jugendzeit zu erinnern, führe ich an,
daß im Fürstenthume Bamberg Michael Weber über Bam-
bergisches Landrecht und über gemeines Lehenrecht schrieb, darin
den practischen Geist seiner Zeit darstellend.
§. 13.
Der Geist unsrer Zeit in der historischen Bestrebung.
Nur Wenigen gelingt es, eine Zeit vor der andern zu
unterscheiden. Im 18ten Jahrhunderte strebte man in Deutsch-
land nach praktischem Maasstabe, — Schriftsteller und Stu-
dierende dachten an ihre Zeit. Man vergaß dabei den histo-
rischen Zusammenhang: aber gerade in eben der Periode, wo
man durch Revolution ein neues Leben begründen wollte, wurde
man auf die andere Seite hin erregt, nach der Vergangenheit
zu schauen. Hugo entzündete hier das löbliche Feuer, aber
nicht um ein neues Lehrspstem zu bauen, sondern nur um fester
im Gebiete des Wissens zu stehen. Nicht sogleich dachte man
an die deutsche Rechtsgeschichte, sondern zuerst nur an die rö-
mische. Hugo selbst führte die Sache durch, und zwar:
1) in der römischen Nechtsgeschichte bis auf Justin ran.

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