Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

154 Einige Nachträge zu früheren Arbeiten in dieser Zeitschrift.
setzt"), d. h. der Verkäufer, Vermiethcr, Verpfänder, Verschen-
kcr muß dcu Vertrag auch in natura erfüllen, unbeschadet der
Rechte des Eigcnthümcrs, und es köinnit hier nichts auf dolus
oder culpa oder auf bona fides an. Gerade gehen die b. f.
negotia dahin, daß auch solche Verträge gehalten werden.
Muß aber der Empfänger die Sache an den Dritten herausge-
ben, dann treten die bekannten Grundsätze der Evictwn ein,
die jedoch verschieden darin sind, ob der Vertrag onerose oder
lucrative geschlossen war.
Das franz. Recht läßt den Vertrag über eine fremde Sache
in natura nicht erfüllen, gestattet aber die Evictionsgrundsätzc.
Sollte daher derjenige, welchem eine fremde Sache verkauft
war, sich wegen des Kaufes, da eine traditio hier nicht nöthig
ist, mit der Licgcnschaftsklage an die Liegenschaft halten wollen,
so wird er abgewiesen; und diese Verhältnisse sind höchst na-
türlich entwickelt: sowie ja auch im römischen Rechte der Em-
pfänger der fremden Sache kein Eigenthum erwirbt. Das
franz. Recht stimmt wohl im Ganzen mit dem römischen Rechte
überein, allein es verlangt
a) die Naturalerfüllung nicht, welche das römische Recht
zuläßt salvo jure domini,
b) der Kauf gibt nach franz. Rechte keine Liegenschaftsklage,
c) die Eviction aber findet sowohl nach römischem als
nach ftanz. Rechte statt.

VI.
Ueber Jrrthum und Betrug bei Verträgen.
A. Bei dem Jrrthume kommt cs ebenfalls viel auf die
Natur der b. f. negotia an; denn wenn cs nur Princip war,
daß der Irrihum ein wesentlicher sey, soferne man sich über
das corpus des Vertrags irre, so bezog sich dieses auf die
stricti juris negotia namentlich auf die stipulatio. Dagegen
bei den bonae fidei negotiis ging der Jrrthum auch auf
qualitates rei, jedoch hing hier Alles von der Interpretation
des Vertrages ab, z. B. wenn Jemand etwas von Gold er-
kaufen will, er sieht die Sache und es ist kein Jrrthuin über

16) Von dem Vermächtmß ist hier nicht die Rede.

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