Full text: Volume (Bd. 5 (1844))

8 Eneyclopädie der StechtSwiffenschaft.
nur im Gaj u s der sichere Punkt früheren und späteren Rechts
gefunden wird. Freilich ist die Menge wieder besser daran,
wenn man ihr von einer ganzen inneren Geschichte des römi-
schen Rechts, als von einer bloßen Geschichte des Rechts nach
Gajus spricht.
Ist man mit dem Studium des römischen Rechtes fertig,
so hat man den Kern und die Form der Wissenschaft selbst,
und weiß, wie man das Neue in die wissenschaftliche Rich-
tung bringen soll, um das Alte zu vergessen.
§. 10.
Fortsetzung.
Ohne im römischen Rechte festzustehen, wird alle Juris-
prudenz der neueren Zeit eine erbärmliche Erscheinung.
Zunächst verfällt man in casus, verliert alle Gabe zu
Abstractionen, dreht sich um zufällige Ereignisse des Augen-
blicks und der Ansichten im Gerichte, und fällt auseinander,
wie eine verblühte Rose. Beispiele davon stehen mir vor
Augen. Wer den Coile Napoleon studieren will, sey ein
vollkommener Romanist, denn sonst wird Nichts aus ihm und
aus seiner Wirksamkeit. Fehler einer Gesetzgebung sind nicht
das Schlimmste, wenn man sie nur erkennt, und zu verbessern
versteht.
Die große Kunst des neueren Juristen ist die, die Wissen-
schaft nach dem jetzigen Leben zu beleben. Dieß ist so schwer
nicht, weil uns hier die Kenntniß des Augenblicks, und die all-
gemeine menschliche ratio Hilst, gesetzt nur, daß man die wis-
senschaftliche Methode, und damit natürlich die nöthigen Kennt-
nisse hat.
§. 11.
WaS gehört zum Privatrecht mehr nach canonischem
als römischem Recht?
Der Hauptüberblick des neueren Rechts besteht darin, daß
man das öffentliche Recht und das Privatrecht gehörig zu un-
terscheiden weiß. Das erste hat fast keine Geschichte, außer die
Geschichte der unmittelbarsten Vergangenheit.
Das andre muß mit Fleiß und aus alter Zeit her erkannt
werden.

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