Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 5 (1844))

Encyclovädie der Rechtswissenschaft.

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§. 6.
Das Unrecht/ Verbreche«/ die Rechtsverletzung und
der Prozeß.
Die Juristen entwickelten auch das Criminalrecht in der
Erklärung der vorhandenen lege« und mit Rücksicht auf die
neue Praris. Die hier gegebenen Begriffe sind allmählig selbst
in das neuere Criminalrecht ausgenommen worden.
Der Prozeß der späteren römischen Zeit hat nach der An-
sicht vieler Gelehrten, die wir aber nicht theilen, zwar auch
Vieles mit unserm Prozeße gemein, schon wegen der Organi-
sation der Gerichte, und des unpartheiischen Systems der Ver-
handlung, sowie wegen des richtigen Beweissystems: aber das
Meiste ist doch erst im kanonischen Rechte neu gemacht worden.
Alles übrige Recht, Staatsrecht und Administration der
Römer, geht uns aber nichts an, weil das germanische Staats-
lcben ans einer ganz andren Ordnung der Dinge entstanden,
und da sedes Volk in der That seine eigene Geschichte hat.
Doch fehlte es nicht daran, daß die römische Jurisprudenz auch
vielfach auf diese Geschichte einwirkte, wie schon der Reichstag
auf den roncalischen Feldern zeigt, und wie in der That alle
moderne Rechtswissenschaft, z. B. das Lehen- — auch das
Criminalrecht unter bekannten Begriffen der Römer gebildet ist.
§. 7.
Das Mittelalter und die Kirche.
Selbst die Kirche schloß sich in den äußeren Satzungen an
die bekannte weltliche Ordnung an, und so selbstständig die
Idee der Kirche und ihrer Entwickelung ist, so wirkte auch auf
sie die römische Rechtswissenschaft. Kein Canonist kan« das
geistliche Recht verstehen, ohne das römische Recht verstanden
zu haben. Allerdings ging die Kirche von dem Zustande und
von den materiellen Ansichten der neueren Zeit aus, und brachte
manche Gewohnheiten des germanischen Lebens in ihr System,
aber Methode und Denkweise ist römisch.
§. 8.
Was ist das germanische Recht? Deutschland.
Den Römern und resp. ihren juristischen Gelehrten fehlte
der philosophiste Grundgedanke für die Bildung des Rechts kei-
neswegs. Sie erkannten, daß der Wunsch zum Leben Bedürf-
nisse habe, je gesitteter und feiner, desto mehr: sie erkannten

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