Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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Heinrich. Darum mag auch nie ein Bösewicht, und 
hätte er das Größte in der Welt gethan, Held einer Tragö= 
die werden. Er ist ein reines Nichts, und das Schicksal, 
das ernsthaft gegen ihn in den Kampf treten wollte, würde 
Komödie zu spielen scheinen. 
Gotthold. Sehr wahr. Was ohne Wesen ist, 
ist unpoetisch. 
Philipp. Darum scheint mir auch Schiller so un¬ 
glücklich gewählt zu haben, da er den Wallenstein tragö= 
diren wollte. Wallenstein ist in dem Grade ein Wicht, 
daß er nicht einmal als Ritter glänzen kann; seine Tapfer= 
keit ist nur soldatisch. 
Eduard. Du sprichst aus meiner Seele, Philipp! 
Aber Gotthold ist uns noch den Helden der Tragödie schul= 
dig geblieben. Er mag ihn uns auf seine kraftvolle Weise 
bezeichnen. Wenn er spricht, so glaube ich den Maler zu 
Alexandria zu sehen, der mit zwey Kohlenstrichen an die 
weiße Wand die Silhouette seines Feindes zeichnete. 
Gotthold. Ihr seyd nicht meine Freunde, wenn 
ihr mich zu beschämen redet. Doch will ich mich nicht 
rächen, indem ich von eurer Trefflichkeit auf gleiche Weise 
redete. — Den Helden der Tragödie verlangt ihr? Doch 
ahndet ihr wohl selbst, daß die Parabel keine Helden ha= 
ben kann, wie die Eklipse 
Phillp. Du meinst die alte und die neue Frägödiet 
Gotthold. Du hast mich gut verstanden. Auch 
die Komödie, die alte, ist anders als die neue. Wenn 
jene im Staate spielte, weil der Staat die allgemeine 
Form der Narrheit und der Weisheit war, so spiele diese 
in der Ehe, und daher hat in dem ehristlichen Europa 
kein 
Zweyten Bandes, 3tes n. 4tes Heft.
	        
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