Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

ropäit 
224 
umtreiben, und in genialen Combinationen bald die eine 
bald die andere erreichen. 
Eduard. Sehr wahr, und du machst mich begie¬ 
rig, von dir zu erfahren, wie du die Ancipität des Schil¬ 
lerschen Charakters von dem wahren Humorismus unter 
scheidest. Denn das Hin- und Herspielen zwischen Wi 
senschaft und Kunst bezeichnet allerdings beyde. 
Heinrich. Fast möcht ich dir die Schwierigkeit zu 
rückgeben. Doch laß mich versuchen, was ich, auf mich 
selbst vertrauend, hierinn vermag. Mir scheint das Schau¬ 
en und der Begriff bey Schiller vorzudringen, und 
unterscheide ich ihn von dem Humoristen, bey welchem de 
Begriff in objektiver Ansicht untergeht. Schiller such 
das Objektive immer, und findet es nie. Da wo er am 
meisten objektiv zu seyn scheint, ist er Nachahmer von 
Göthe, und findet statt des Objektiven die Manier. Sei 
Lied von der Glocke ist eine Parforcejagd nach dem O¬ 
jektiven. 
Eduard. Rede leise, Freund! obgleich du rech 
hast. Weil du denn die Schwierigkeit so trefflich gelos 
hast, so werf ich dir noch eine neue zu. Wie untersche¬ 
dest du von Schiller, Lessing, und was machst d 
mit dem Humoristen Yorik? 
Heinrich. Lessing ist Schiller auf der Stufe des 
Begriffs, Schiller ist von Lessing die Idee. Darum 
haben Lessings Dramen noch mehr Fleisch und Blut al 
Schillers, in denen die Personen blos Silhouetten sind 
mit Kohle an die Wand gezeichnet. Lessing aber malt 
sorgfältig aus, so daß seine Personagen zu ächten Defini¬ 
tionen werden. 
Eduard.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer