Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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Macht des Einzelnen ausser uns ist gebrochen, weil jedes 
Einzelne im Ganzen geschaut wird. Nun verstehe ich die 
grossen Worte: Tod wo ist dein Stachel? Hölle wo 
dein Sieg? 
Eduard. Du deutest treflich. Diese Höhe ist Va¬ 
lendung des reinen Herzens; das unverdorbene kindlich 
Gefühl ist nur der Anfang. 
Heinrich. Aber erlaubt mir noch zwey Fragen 
Zuerst: scheint es euch nicht größer, ohne handelnd in da 
Leben einzugreifen, dem bunten Gewühle blos lachendz 
zusehen? 
Eduard. Und deine zweyte Frage? 
Heinrich. Wie verhält sich die Freyheit in den 
Manne zu der des Weibes? Hat das Weib Freyheit? 
Eduard. Für deine erste Frage sag' ich dir, daß 
wer sich nicht vom Ganzen gezogen fühlt, mit Kraft un 
Wärme in das Ganze einzugreifen, der steht isolirt de 
als abgestorbner Zweig der Menschheit, als Egoist. Wa 
er von seinem Schauen rühme, es ist zum Höchsten ni 
durchgedrungen, sonst würde er die Welt umarmen, dem 
Universelles im Menschen und ausser ihm, sie decken 
und werden Eins. Den Bastard aber, der nicht liebe 
kann, den laß in sich verdorren. Des Weibes Freyh 
aber ist in der Liebe.
	        
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