Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

ropä 
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wann die Zeit der Völker erfüllet ist; sie sind die Sense 
des Todes, die die Völker abmäht, und können nur zer¬ 
stören. Sie wandeln über Leichname und herrschen über 
Gräber. 
Philipp. Ich möchte sie versluchen. 
Eduard. Nicht doch, mein Freund! wenn Neues 
werden soll, muß erst das Alte fallen, und dieses stürzen 
die Eroberer. Laß ihnen ihre traurige Bestimmung. Sie 
sind Zeitgenossen halbverwester Völker, und werfen diese 
denn vollends nieder, und darum schreiten sie auch so un¬ 
aufhaltsam fort. Aber alle Zerstörung ist Prophezeihung 
neuen Lebens, und ehe Christus in die Welt kam, mußte 
Alexander erst den Orient zerstören, und Rom alle Ra¬ 
tionen in einem weiten Gottesacker zusammenfassen. — 
Aber zurück zu unserem Gegenstande. Ich sage, daß der 
Deutsche des Höchsten fähig sey, in welchem Freyheit und 
Bewußtseyn sich verklären. 
Philipp. Und dieses Höchste nennst du? 
Eduard. Frage den Dichter: 
Reines Herzens, das seyn, es ist die höchste 
Steilste Höhe von dem, was Weis ersannen, 
Weis're thaten 
Ich sage nämlich: daß in dem Deutschen ein ideelles Schau¬ 
en sey, das dem des Inders an Tiefe nicht nachstehe, an 
Kraft und Klarheit noch viel höher sey, und eine Erkennt= 
niß der Natur sich angeeignet habe, bey welcher es mög= 
lich ist, sich seiner eigenen Natur zu vertrauen, ohne sie 
zu fliehen oder zu zertreten. Denn durch Erkenntniß wird 
Natur dem Geiste angeeignet, und in ihm verklärt, daß 
beyde nicht mehr zwey seyen, sondern Eins. 
Hein¬
	        
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