Full text: Hof und Staat (Bd. 2 (1809))

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Herbert. Ich möchte dir widersprechen können. 
Philipp. Das Bedürfniß der Gesetze und Rechte 
ist also doch in der That eine Krankheit? 
Herbert. Du führst die Sache deines Poeten vor 
trefflich, und ich merke, daß ich in diesen Dingen mit 
selbst ein schlechter Sachwalter bin. Aber das bleibt 
denn doch stehen, daß die Gesetze, wenn einmal Unge 
rechtigkeit ist, eine große Wohlthat für das Menscheng= 
schlecht sind? 
Philipp. Ein flebile beneficium, dergleichen di 
Jurisprudenz selbst mehrere hat. 
Heinrich. Ich will dir gegen meinen Freund bey 
stehen. Plato sagt einmal: nichts ist trefflicher, als wem 
ein Stagt gute Gesetze hat. Was wird Philipp hieran 
erwiedern? 
Philipp. Was Theobald zu sagen pflegte; daß 
man nichts sagen kann, ohne Recht zu haben. Nimm 
deinen Standpunkt ganz innerhalb der Gesetzgebung 
so kannst du mit Recht ausrufen: nichts ist=trefflicher al 
gute Gesetze! Nimm deinen Standpunkt ganz in de 
Sphäre des Schauspielers, so wird man dich keinesweg 
tadeln, wenn du ausrufst: nichts ist doch herrlicher als en 
treffliches Drama; ja wenn du dich in die Lage des Obs 
seus versetzest, als er zum Könige Alkinoos kam, so wis 
du ihm das Wort: 
Nichts ist doch so herrlich, als wenn die Tische rech 
voll sind 
Von Gebratnem und Wein, und wenn der Schenk= 
nicht säumt; 
gleichfalls nicht tadeln. 
daß du 
Heinrich. Hätte ich doch nicht geglaubt 
Du 
so muthwillig meinen Angriff verspotten würdest. 
siehst,
	        
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