Der Sternkunst XII. Buch.
718
tor, bis auf 28°4; wenn aber der aufsteigende Knoten ¬
in der Wage ist, das neun Jahre darnach geschiehet, ¬
so entfertet sich der Mond vom Aequator niemals
weiter als 18%4 bey jedem Umlaufe; alsdenn ist seine
völlige Anziehung gegen das Sphäroid, während eines
Umlaufes, viel geringer, weil man wohl sieht, daß sie
von der Abweichung abhangt; daher kommt es, daß
das jährliche Vorrücken in dem Zeitraume von 18
Jahren, so ungleich ist, und das Wanken so beträchtlich ¬
wird.
1070. Man beobachtet, daß die Schiefe der Ekliptik, =
durch eine Wirkung dieses Wankens, um 9" zunimmt, ¬
wenn die Länge des Knoten des Mondes null
ist, alsdenn entfernt sich der Mond am meisten vom
Aequakor, und hat die mehreste Kraft die Ebene des
Aequators zu ändern, und folglich auch die Schiefe der
Ekliptik; es sey VG.. die Ekliptik (Fig. 130.), VMa
der Aequator EG die Mondbahn; dieser Planet entfernt ¬
sich sehr nach Norden des Aequators, wenn sein
aufsteigender Knoten G im Witter ist; alsdenn zieht
der Mond den Erdäquator von dieser Seite mit mehr
Kraft an. Es scheint daß der Aequator EM, sich
alsdenn der Ekliptik EG nähern müsse; indessen erfolgt
da so gar, daß der Winkel der größte ist, und daß die
Schiefe der Ekliptik, anstatt von 23° 28' 0" zu seyn,
von 230 28 9" befunden wird.
1071. Um die Entwickelung dieser Schwierigkeit
zu finden, muß man erwägen, daß die größte Veränderung ¬
der Lage des Aequators, nicht in dem Punkte
geschiehet, wo der Mond gegen den Erdäquator wirkt,
sondern 90 weiter davon. Wenn demnach der Mond,
indem er LA (Fig. 131.) durchläuft, am stärksten gegen
den Aequator VOum die Sonnenstandspunkte wirkt,