Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

402 
ten, nicht zur Unterhaltung oder Belehrung des Publikums, 
sondern in ganz individuellen, innigen Verhältnissen geschrie¬ 
ben sind? . . . . Nach dieser Erklärung des Herrn Verf. 
werden wir uns bey den Briefen auch gar nicht aufhalten, 
und sie in der mystischen Existenz, wozu sie der Verf. bestimmt 
hat, nicht stöhren. Daß unsere Leser dabey nichts verlieh¬ 
ren, dafür bürgt uns das Urtheil das der Verf. selbst, über 
den artistischen Werth dieser Briefe fällt. „Der Gesichts¬ 
— sagt er 
— „aus dem die Kunst darinnen an¬ 
punkt, 
gesehen wird, weicht freylich ganz und gar von der gewöhnli¬ 
chen Methode ab“ — (wie könnte das auch anders erwartet 
„und wird manchem Anlaß zum Verwundern 
werden? 
und Kopfschütteln geben." Wer nun dem Verf. und Rez. zu¬ 
gleich nicht glauben will; wer etwas ganz Ungewöhnliches le¬ 
sen, und Anlaß zum Verwundern und Kopfschütteln finden 
will, der lese diese ganz individuellen Kunstbriefe! 
Wir kehren wieder zu der Schrift selbst zurück. Die Ein¬ 
kleidung, die Art wie der Verf. seine gemachten Erfahrungen 
und Bemerkungen hier vorträgt, ist wohl schwerlich die, die 
einem großen Publikum, besonders gefallen kann. Der Verf. 
trägt sein ganzes Buch im Ton der Erzählung vor. Er bil¬ 
det einen vertraulichen Kreiß um sich her, und erzählt nun, 
was ihm auf seiner Reise vorgekommen ist, in einem sehr ver¬ 
traulichen Ton. Man lese z. B. folgende Stelle: „Ihr habt 
die beste Disposition" — der Verf. spricht zu seinen Zuhö¬ 
rern — Jund ich, den besten Willen. Wir wollen versu¬ 
chen wie weit wir kommen. Aber, vor allen Dingen eine 
Bitte — so ungern ich auch zwischen Freund und 
— (wer sollte hier wohl 
Freund Präliminarien mache 
-) „keine 
glauben, daß der Vf. mit dem Publikum redet? 
Spannung auf außerordentliche Dinge!" — — Wenn man 
von Ländern spricht, die so bekannt, so oft durchreißt sind, 
als die Schweitz und Italien, so muß man allerdings noch 
ganz neue, und äußerst wichtige Punkte berühren, wenn man 
nicht der Gefahr ausgesetzt seyn will, etwas zu erzählen, was 
man von seinen Zuhörern weit früher und besser hätte hören 
können." Dieser Gefahr ist der Verf. der vor uns liegenden 
Schrift 
— 
— 
— 
Max-Planck-Institut für 
UNIVERSITAT 
europäische Rechtsgeschichte 
DFG 
TUBINGEN 4
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer