Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

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gen, denkenden Leser, ihren Cours längst verlohren. „Was 
gut ist, bedarf keiner solchen künstlichen Introduktion; und 
was schlecht ist, wird dadurch beschwerlicher, nicht besser. 
Zudem, beweisen alle diese Wendungen, so fein sie auch seyn 
sollen, eben keine besondere Achtung für das Publikum, des¬ 
sen Gunst und Nachsicht man doch dadurch gerne gewinnen 
möchte. — Was man für eigenen Gebrauch nieder¬ 
geschrieben hat; was man gesammelt hat, um den einen oder 
andern Freund, etwas daraus erzählen zu können, ist eben 
kein glänzendes Geschenk für das Publikum. Die „allerhand 
Umstände, die, wie der Verf. sagt, dazu beygetragen ha¬ 
ben sollen, seine für den mündlichen Vortrag bestimmten Be¬ 
merkungen in ein gedrucktes Buch zu verwandeln; diese al¬ 
lerhand Umstände, alle zu errathen, ist nicht unsere Sache. 
Einige davon mögen aber wohl wahrscheinlich gewesen seyn, 
daß der Verf. seine gesammelten Bemerkungen für den Druck 
geordnet, daß er das Manuscript davon einem Buchhändler 
verkauft hat, und daß dieser, um das bezahlte Honorar wie¬ 
der heraus zu bringen, das Manuscript hat drucken lassen. 
So weit geht die Sache denn auch ganz natürlich zu. 
Mit den „Auszügen aus Briefen über einige Gemählde, 
die dem Buche noch angehängt sind, verhält es sich eben so, 
wie mit der Schrift selbst. Auch sie waren nicht für das Pu¬ 
blikum bestimmt, und sind doch — vermuthlich durch al¬ 
lerhand Umstände — dem Publikum zu Theil geworden. 
Man höre hierüber (S. 6) den Verf. selbst. „Nun noch ein 
Wort, über den Anhang. Es sind Auszüge aus Briefen, 
eines Freundes, an seinen vertrauten Freund, nicht zur 
Unterhaltung oder Belehrung des Publikums, 
sondern in ganz individuellen innigen Verhältnissen geschrieben; 
und vermuthlich haben sich Schreiber und Leser wohl ver¬ 
standen." 
: 
Schreiber und Leser haben sich vermuthlich verstanden. 
Schreiber und Publikum werden sich also vermuthlich wohl 
nicht verstehen. Was soll denn all dieses mystische, und 
warum trägt man im Publikum Schriften feil, deren Inhalt 
es nicht verstehen soll, und die, nach des Verf. eignen Wor¬ 
Staatsw. u. jur. Litt. 21 Jahrg. 31 Bd. 
Ce 
ten, 
— 
Vorlage: 
EBERHARD KARIS 
Max-Planck-Institut für 
UNIVERSITAT 
DI 
europäische Rechtsgeschichte 
TÜBINGEN
	        
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