Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

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den Verfasser mit Plutarch und Valerius Mari¬ 
mus auf die Nachwelt bringen wird. Die Memoires, wel¬ 
che unter der Aufsicht des Unterrichtsausschusses erscheinen und 
die merkwürdigen Züge des Republikanergeistes der Vergessen¬ 
heit entreißen, der Moniteur und die Berichte von Augenzeu¬ 
gen sollen mit Zuziehung der besten englischen und französischen 
Schriften die Quellen dieses Werks seyn. Bey diesem ersten 
Hefte sind unter andern die Tableaux de la revolution Fran- 
çoise mit Kupfern und Recueil des actions heroiques et ci- 
viques zum Grunde gelegt. 
Von S. 1—19 entwirft der Verf. ein kurzes aber sehr 
treffend und geistvoll gezeichnetes Bild von Frankreich seit dem 
Ausgang der Gemeinen aus der Leibeigenschaft. Von der frü¬ 
hern Geschichte nichts: denn, der Verf. sagt mit Wahrheit, 
Sclaven haben keine Geschichte. 
Nach der Loßgebung der Gemeinen erwachten zwar die 
Franken zuerst aus ihrem Todesschlafe; waren aber doch nur 
um etwas weniger unglücklich, denn sie musten nach wie vor 
das Joch ihrer Tyrannen, der Adelichen und der Priester tra¬ 
gen. Nur einzelne von ihnen wußten sich dadurch über den 
Sclavenpöbel zu erheben, daß sie sich — adeln ließen, 
wodurch aber die Last der Auflagen, von welchen die Geadel¬ 
ten befreyt wurden, für die übrigen noch drückender und das 
Recht in den Adelstand zu erheben eine Geißel für das Volk 
wurde. Das traurigste dabey war, daß die Treiber das Volk 
in Unwissenheit und Barbarey erhielten. 
Die Gesellschaft hatte von der Wiederauflebung der Wis¬ 
senschaften im sechzehnten Jahrhundert so gut, wie gar keinen 
Gewinn: vielmehr stürzte ein funfzigjähriger bürgerlicher Krieg 
Frankreich in einen Abgrund von Uebeln, aus dem es sich erst 
unter Heinrich IV. loswand. Die Regierung der Maria 
von Medicis war schändlich. 
Mit Freuden sah das Volk, wie Richelieu die Aristo¬ 
kraten zertrat! Aber diese Freude war nur eine Freude der Ra¬ 
che; denn nicht das Volk, sondern allein der Despotismus 
des Hofes hatte Gewinn von dem Siege des Cardinals über 
den Adel. Richelieu hatte zwar den Arisiokratismus als Ri¬ 
val 
— 
Vorlage: 
EBERHARD KARLS 
Max-Planck-Institut für 
UNIVERSITÄT 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte 
TUBINGEN 4 
—
	        
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