Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

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sche Freyheit gefährdet. Der Verf. verbreitet sich hiebey weit¬ 
läuftig über die, im Reichsgutachten vom 22. Dec. 1794 
wegen Einleitung eines annehmlichen Friedens dem Kaiser an¬ 
getragene Rücksprache, (der Verf. schreibt stets Rucksprache) 
hierüber mit dem Könige vom Preußen, deren eigentlichen 
Sinn er S. 58 „mit politischer Dunkelheit umgeben, und 
nichts als Unbestimmtheit dabey" findet. Durch die bey dem 
Frieden ausgemachte Demarcationslinie sey vollends Deutsch¬ 
land in sich getrennt und aller Freyheit beraubt. „Der Nah¬ 
me deutsche Freyheit ist ein Phantom, sagt der Verf. 
S. 159, sobald das Jnteresse aller Stände von dem besondern 
eines einzelnen Standes abhängig seyn soll. In welcher Lage, 
Verhältnisse und usurpativen Machtzwange befinden sich nun 
die sogenannten freyen Stände? wie komisch ist ihre 
Stimmfreyheit! wie herabgewürdigt ihr ständisches Ansehen! 
wie kriechend ihr Betragen unter dem eisernen Scepter ihres 
Mitstandes!" 
„Aus diesem, so beschließt endlich der Verf., von dem Kö= 
nig von Preußen in der Eigenschaft eines Reichsstandes mit 
der französischen Republik geschlossenen Separatfrieden erga= 
ben sich die drey nachfolgenden unwiderlegbar bewiesenen Re¬ 
sultate." 
1. „Daß die Wesenheit der deutschen Constitu¬ 
tion und ihre Form im Ganzen und allen Thei¬ 
len unheilbar verletzt." 
2. „daß das bisherige Reichssystem zu einer bloßen 
Convenienzsache der usurpativen Gewalt eines churbran¬ 
denburgischen Mitstandes gemacht," — und 
3. „daß durch diese so gefährdevolle und constitutionswi¬ 
drige Friedenshandlung das wahre ständische Vertrauen auf 
ewig und unvereinbarlich getrennt worden." 
Diese getreue Angabe des Inhalts der vorliegenden Schrif¬ 
ten zeigt hinlänglich, aus welchen verschiedenen und ganz ent¬ 
gegengesetzten Gesichtspunkten dieselbe Sache von den Verfas= 
sern derselben betrachtet worden. Sie sind ein zurechtweisen¬ 
der Beleg für alle Nichtjuristen, die so oft nicht begreifen kön¬ 
nen, wie dieselbe Rechtssache von verschiedenen Rechtskolle¬ 
gien 
— 
Max-Planck-Institut für 
UNIVERSTTKI 
europäische Rechtsgeschichte 
TÜBINGEN
	        
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