Full text: Staatswissenschaftliche und juristische Litteratur (Jg. 2, Bd. 2 (1795))

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statistischer Kenntniß und dringt hiebey vorzüglich auf die Wie¬ 
derherstellung Polens und Aufhebung der rußischen Leibeigen¬ 
schaft. Er bemerkt insbesondere in Beziehung auf Deutsch¬ 
land, daß Rußlands Interesse erheische, die jetzige fast anar¬ 
chische Verfassung Deutschlands zu erhalten; und indem er 
diese Beziehung auf alle europäische Staaten unter sich aus¬ 
dehnt, schließt er mit folgenden Aeußerungen: „Deutschland, 
schwach und ohnmächtig bey aller innern Stärke, durch das 
Privatinteresse seiner Fürsten, das dem allgemeinen des Reichs¬ 
vereins im Wege steht; durch innern Zwiespalt zerrissen, ohne 
alle Aussicht auf Ordnung, ein Fangball in den Händen Oester= 
reichs und Preußens, vielleicht bald auch in den Händen Ruß= 
lands; Deutschland, mit einer physischen Existenz, ohne alle 
politische, liegt in einer Unbedeutsamkeit, die seine innere 
Hülfsquellen prostituirt, seinen mächtigen Einnahmen Hohn 
spricht und seine Tapferkeit zu Coquetterie macht." 
„Preu¬ 
ßen ist weit furchtbarer und stärker, als Rußland denkt. Ru߬ 
land hat weit eher Ursache, Preußen zu schmeicheln, als die¬ 
ses ihm. Seine concentrirte Stärke ist nicht so imagnair wie 
die, ins Unendliche zerstreute von Rußland. Und von Seiten 
seiner Politik ist es gleich furchtbar." 
Daß nun der Verf. der dritten Schrift auf einen ganz 
entgegengesetzten Zweck hinarbeite, daß er den preußischen Frie¬ 
den als eine Verletzung der Reichskonstitution und gesetzwidrige 
Handlung darzustellen suche, ergibt sich schon aus dem Titel 
derselben. Der Verf. geht dabey von der Veranlassung und 
dem Zweck des gegenwärtigen Krieges aus, welcher in den 
preußischen Manifesten selbst in der Vertheidigung und Ent¬ 
schädigung der im Elsaß und Lothringen beeinträchtigten Reichs¬ 
stände; so wie in der Unterdrückung der, alle Völker Ruhe und 
Glückseligkeit zerstöhrenden, anarchischen Grundsätze gesetzt 
worden. Ohne diesen Zweck wirklich befördert oder erreicht zu 
haben, wozu der König von Preußen, vermöge seiner Reichs¬ 
standschaft und conventionell übernommenen Verbindlichkeit doch 
mitwirken sollen, habe derselbe sich, diesen gerade entgegen, 
in einen Separatfrieden mit Frankreich eingelassen und dadurch 
eben so der Reichsverfassung entgegen gehandelt, als die deut¬ 
sche 
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— 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschichte 
DFC
	        
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