Volltext : Juristische Bibliothek (Bd. 2 = St. 1-4 (1790))

45  XXVII.  Thorillon  Idées
ten  eine  weitläuftige  Declamation,  wozu  dem  Verf.
freilich  sein  Vaterland  den  besten  Stof  darbot!  Er
wendet  sich  zuerst  an  die  Großen  und  Reichen,  denen -
  er  statt  Prunk  und  Prachtliebe  die  Rückkehr  zur
Natur  und  zu  den  Gefühlen  der  Menschlichkeit  dringend -
  anräth,  und  zugleich  Mittel  zur  Unterstützung
geringer  Personen,  eben  dadurch  aber  zur  Vermeidung
vieler  Verbrechen,  an  die  Hand  giebt.  Eben  so
apostrophirt  er  die  großen  Prälaten,  und  erinnert  sie,
ihrer  niederen  Geistlichkeit  und  ihren  Gemeinden  mit
guten  Beispielen  vorzuleuchten,  und  durch  Aufopferung -
  ihrer  unsäglichen  Pfründen  den  armen  Geistlichen -
  aufzuhelfen.  Von  ihnen  geht  er  zu  den  Gouvernörs -
  der  Provinzen  über,  und  ermuntert  sie,  die
drückenden  Lasten  des  Volks  zu  mindern,  und  vorzüglich -
  den  Ackerbau  zu  befördern.  Er  wendet  sich  endlich -
  an  alle  Arten  von  Vorgesetzten,  an  Obrigkeiten,
Eltern  u.  a.  m.  denen  er  besonders  eine  musterhafte
Erziehung  empfiehlt;  er  warnt  sie,  ihren  Kindern  einen
zu  frühen  Geschmack  am  Schauspiel  beizubringen,
ehe  sie  die  Moral  darin  aufzufinden  und  anzuwenden
im  Stande  sind.  Vor  allen  Dingen  prägt  er  Hochschätzung -
  der  Religion  ein,  und  empfiehlt  noch  den
Gesetzgebern  Simplificirung  der  Gesetze  und  gute
Vollziehung  derselben.
Der  erste  Titel  erfüllt  beinahe  den  ganzen  ersten
Band  (S.  30=333),  und  handelt  von  den  Strafen -
  der  Verbrechen  uͤberhaupt.  §.  1.  von  Kapitalstrafen -
  S.  30=71.  Ungeachtet  der  Schrecklich=  =keit -
  des  Todes  betrachtet  der  Verf.  ihn  doch  als  eine
oft  nothwendige  Strafe,  und  nimmt  ihn  gegen
Beccaria  in  Schuz,  in  so  fern  die  öffentliche  Ruhe
und  Sicherheit  des  Staats  ihn  unvermeidlich  erheischen -

Max-Planck-Institut  für
europäische  Rechtsgeschichte
            
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