Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 37 = [3.F.] Bd. 67 = Jg. 1854, Bd. 2 (1854))

Ueber die Gerichtsgebräuche bei Vollziehung 
des Staupenschlags und der Landes¬ 
verweisung 
giebt nachstehendes, einem Actenstück wegen Falschmünzerei a. d. J. 
1704, ergangen vor den Horn'schen Gerichten zu Gohlis bei Leipzig, 
entlehntes Protokoll näheren Aufschluß: 
Regl. d. 3. Oct. 1704. 
Wurde an Inquisito Johann Drechßlern der zuerkannte Stau¬ 
penschlag und ewige Landesverweisung folgender gestalt vollstrecket. 
Nachdem die aufgebotenen 12 Mann von Gohlis und 6 Mann von 
Möckern*) sich eingefunden, mußten selbige vor dem Gemeinhaus, 
allwo er bisher gefangen gesessen, einen Kreis schließen, Inquisit 
aber wurde von denen Fesseln losgemacht, ihm nochmals sein de¬ 
lictum, Bekenntniß und rechtlicher Ausspruch und zuerkannte Straffe 
vorgehalten, ihm auch vorstehender Urphede**) deutlich erklähret, 
und insonderheit, was für Lande er zu meiden habe, und was für 
Strafe er leiden müsse, wenn er sich, seinem Eide zuwider, drinnen 
betreten ließe, ihm eröffnet, auch darbei vor der schweren Strafe des 
Meineides verwarnet, worauf er solchen in der Stube des Gemeinde¬ 
hauses abgeschworen, und nach solchem allen dem hierzu bestellten 
Leipziger Scharfrichter, Meister Gottfried Heintzen, nebst Eröffnung 
des delicti und Urthels, zur Erecution übergeben. Welche denn sol¬ 
*) einem damals unter dieselben Gerichte gehörigen Dorfe, welches 
½ Stunde von Gohlis nach der Landesgrenze hin liegt. 
**) Wir werden auf diesen und andere Urpheden später in besonderer 
Betrachtung zurückkommen. 
Noge 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlir
	        
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