Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 32 = [3.F.] Bd. 62 = Jg. 1853, Bd. 1 (1853))

C. Miscellen. Zur Gesch. d. Strafrechtspflege in d. hannöv. Landen. 311 
bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts", verfaßt von dem Regierungs¬ 
rath Dalius in Wernigerode, der auch in Bezug auf die Geschichte 
des Strafrechts Beachtung verdient. So theilt er auch mit, 
daß auch bei dem Todtschlag die Bürgschaft die Haft ab= 
gewendet habe. „Die Versöhnung mit den Erben des Ent¬ 
leibten hob auch in den meisten Fällen die Einmischung des 
Richters." Als Beleg fügt der Verf. hinzu, das Bußgeld des 
Andreas Koch für einen Todtschlag habe — 1550— in 30 Gulden 
bestanden. Auch andere Verbrechen und Vergehen seien auf solche 
Art gefühnt worden. Die angeführten Beispiele betreffen vor¬ 
zugsweise Verwundungen. „Diese Strafen (die von der Aus¬ 
söhnung mit dem Beschädigten unabhängig blieben), Bußen, Ge¬ 
richtsgefälle genannt, waren ein nicht unbedeutender Theil der 
landesherrlichen Einnahme, da sie oft unverhältnißmäßig hoch 
gesetzt und als Einnahmequellen betrachtet wurden; angenehmer, 
je unerwarteter sie kamen, um gerade eingetretenen Bedürfnissen 
oder Lasten abzuhelfen. Die eigene Abtheilung der Rechnung, 
welche sie aufzählt, ist für den Forscher ein sehr wichtiges Denkmal 
der Sitten, Gebräuche und Lebensart jener Zeit. Eine Fuhre 
oder ein Faß Duderstädter Bier (wie wir im 15. Jahrhundert 
finden) war auch später keine ungewöhnliche Strafe, oder Ar¬ 
beiten, Waaren, die Jemand vorräthig hatte; so die Hüttenmeister 
Schienen und andere Geräthschaften („— 5 Schienen, daß er 
mit einem Spieße schlagen wollen. 1506 —"). Doch manche 
Verbrechen, als Raub, Diebstahl und vorsätzlicher Mord, oder 
in Zeiten, welche mehr Strenge zu fordern schienen, ahndete 
man mit peinlicher Strafe; der Frevler büßte mit Leib und 
Leben. Der Nachrichter zu Wernigerode war mit für Elbingerode 
bestellt. Andere wurden (eine im 16. Jahrhundert sehr gewöhn¬ 
liche Strafart) des Landes verwiesen; aber nicht blos aus dem 
Stolbergischen, sondern auch zugleich aus denen der Mitbelehnten 
und Erbverbrüderten. Dem=entflohenen Thäter folgte unmittel¬ 
bar eine Nachjagd vom Gerichtsherrn aufgebotener Unterthanen 
durch fremdes Gebiet, so weit eine Spur reichte. Der, dem es glückte. 
zu entkommen, erhielt mit seinen Beiständen gewöhnlich ein 
sicheres Geleit, um unangetastet zur Vernehmung und Ent¬ 
schuldigung und dann wieder an den Ort der Zuflucht zurück 
kommen zu können. Endlich durfte er auch wohl noch auf Gnade 
rechnen und wurde milder behandelt, wenn er sich die Vorbitten 
Mächtiger zu verschaffen wußte.*) 
*) „Dreier adeligen Brauten und einiger dames" Vorbitten. S. den 
N. Band der Neuen Folge dieser Annalen, S. 294. 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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