Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 32 = [3.F.] Bd. 62 = Jg. 1853, Bd. 1 (1853))

310 C. Miscellen. Zur Gesch. d. Strafrechtspflege in d. hannöv. Landen. 
„Up Klage, Andtwort unde alles gerichtlick vorbringen, 
Ock notturfftige warhafftige erfarung, und erfindinge, 
so deßhalven alles na lude (laut) Keiser Carolls des 
Vofften, und des hilligen Riekes Ordnung geschehen. 
Ist durch dat Gerichte allhie tho Giffhorn tho Rechte 
erkänt, Dat Joachim Knute, da siek sunst Mutz nennet, 
so Jegenwardich vor düßem Gerichtte steit, der Ovaldät 
halven, so be grövet, Unde hiebevorr Unde vor düßen 
Gericht, freiwillig, und offentlich bekent hefft, mit dem 
Rade durch thostöttunge siner gleder vom levende thom 
dode gerichtet Und forder offentlick darup gestellt werden 
schall. Von Rechts wegen." 
Von den Concomitantien dieses Actes kann leider nichts 
aufgefunden werden. Es ist also unmöglich, mit Sicherheit zu 
bestimmen, ob dies Erkenntniß von den Beamten, oder von dem 
Landgerichte — wiewohl es nach dem Ausdrucke: „vor düßem 
Gerichte" zu schließen sein möchte — selbst gefället, oder ob es 
von einem Schöppenstul eingeholt worden. Criminalfälle finden 
sich sonst, auch in späteren Zeiten, nicht verhandelt. Doch wurden 
schwere Verletzungen daselbst zur Sprache gebracht. Ferner scheint 
bei Todtschlägen das Wehrgeld mit den Anverwandten des Er= 
schlagenen bei dieser Behörde zuweilen verabredet zu sein. Andere 
Verbrechen untersuchte man bei den Aemtern weiterhin nach 
damaliger Weise sehr kurz. Die Acten wurden an irgend einen 
Schöppenstul verschickt, welcher gewöhnlich auf die peinliche Frage 
- Nachrichter 
erkannte, die dann durch den „Angstmann" 
sofort vollstreckt wurde. Im Uebrigen rescribirte der Fürst selbst 
und gab die nöthigen Befehle. Magie. Vergehungen gegen die 
Sittlichkeit, Raub, Diebstahl bildeten die Hauptgegenstände der 
peinlichen Untersuchungen. War ein Todesurtheil zu vollziehen, 
so wurde das hochnothpeinliche Halsgericht mit den damals 
üblichen Feierlichkeiten gehegt. Das Gericht war dann mit den 
Fürstlichen Beamten, dem hiesigen Magistrate und den Amts¬ 
unterbedienten, welche beide zuletzt genannten Offizialen als 
Schöffen angestellt waren, besetzt. Die Eröffnung dieses Gerichts 
geschah, wie bei den Landgerichten. Der Friede wurde hier 
ebenfalls geboten, wenn der eröffnende Beisitzer das peinliche 
Gericht im Namen des Landesherrn gespannt und gehegt hatte. 
Noch in den neuesten Zeiten wurden zur Vermehrung der Feier= 
lichkeiten die Halsgerichte auf gleiche Weise besetzt; nur sind die 
übrigen Förmlichkeiten verändert. 
b. 
Der vierte Band des vorgedachten „Archivs" enthält einen 
Beitrag, „Gerichtsverfassung und Gesetze im Amt Elbingerode 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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