Full text: Hitzig's Annalen der deutschen und ausländischen Criminal-Rechtspflege (N.F. Bd. 29 = [3.F.] Bd. 59 = Jg. 1852, Bd. 2 (1852))

D. II. Zur Gesch. der Strafrechtspfl. c. Ungl. Strafgerechtigkeit. 335 
Weiß bittet um Gnade, daß er möge mit dem Schwerdt ge¬ 
straft werden. Er, der Beklagte, selbst mündlich ums Schwerdt. 
Urtheil. 
Auf Klage, Antwort und alles gerichtliche Vorbringen und 
wahrhafte gründliche Erfahrung, so deshalb alles nach Kaiser 
Karls des Fünften und des heiligen römischen Reichs Ordnung 
geschehen, erkennen die Urtheilssprecher dieses Gr. Erbachischen 
Peinlichen Hals= und Centgerichts, daß er, Adam Facis von Wald¬ 
dorf in Churfürstl. Pfalz gelegen, wegen seines begangenen Dieb¬ 
stahls, Ehebruchs und Hurerei, auch umgetragenen falschen Briefs 
heutigen Tags durch den Scharfrichter mit dem Strang vom Leben 
zum Tod an den lichten Galgen soll hingerichtet werden. 
Ungleiche Strafgerechtigkeit. 
Gustav Adolph Münzbruch, der Sohn eines angesehenen 
schwedischen Beamten in Osnabrück, ein frecher Bursche von 17 Jah¬ 
ren, der die Bremische Schule besuchte, erstach am 1. März 1678 
Abends, um unbedeutender Ursachen willen, einen Bremer Bür¬ 
gerssohn und versteckte sich. Die Thore wurden zwei Tage lang 
geschlossen, und so ergriff man ihn endlich bei einem Schneider; 
zwei Tage darauf ward er zum Tode verurtheilt. Die Hinrichtung 
sollte auf dem Österthorswall vollzogen werden. In den 8 Tagen, 
welche zwischen der That und der Strafe verstrichen, waren indessen 
die Freunde des Mörders nicht müßig; einige benachbarte Fürsten 
legten Fürsprache ein, und in dem Augenblick, wo er zur Hinrich¬ 
tung hinausgeführt werden sollte, protestirte der kaiserliche Resident 
Namens seines Herrn, und die Hinrichtung unterblieb. Der Va¬ 
ter benutzte die Zeit und brachte die Sache an das Kaiserliche Hof¬ 
gericht; sie wurde, Gott weiß, durch welche Mittel hingehalten, 
bis zur Geburt des kaiserlichen Erbprinzen. Dieses dem Kaiser 
so erfreuliche Ereigniß wurde benutzt, um von ihm die Begnadigung 
des Verbrechers zu erbitten. Obgleich der kaiserliche Befehl dahin 
ging, ihn auf der Stelle straflos freizulassen, so mußte doch der 
Befehl drei Monate später wiederholt werden, ehe die Stadt sich 
darin ergab. Der Obrigkeit zur Verhöhnung blieb der freche Bursche 
noch fünf Tage in der Stadt und ließ sich recht geflissentlich an 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin 
eur
	        
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