Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

L. 7, §. 9. D. (41, 1.) und nach ihr §. 27. I. 2, 1, sagen 
ausdrücklich, daß bei der casuellen Vermischung 
überall dasselbe eintrete, was bei der absichtlichen, 
sive ejusdem generis sit, sive diversae, also daß 
überall ein commune corpus entstände. Früher be¬ 
hauptete man wohl, es fehle ein non, und bezog 
sich dabei auf Theophilus (2, 1, 27.), der in den 
ältern Ausgaben hier auch wirklich ein ob hat (S. 
Hotoman, observ. 4, 12). Allein Fabrot strich in 
seiner Ausgabe des Theophilus nach Französ. Hand¬ 
schriften dieß od, und auch die neuern Commentatoren, 
z. B. Wüstemann, vertheidigen dieses nicht bloß 
durch Bezugnahme auf obige Stellen, sondern auch 
auf die Basiliken (4, 604) und Harmenopul 
(2, 1, 24). Demnach ist nun wohl eine Aenderung des 
Textes hier unstatthaft, und die Vereinigung mit un¬ 
serer L. 5, pr. auf andere Weise zu suchen. Zunächst 
ist zu bemerken, daß auch §. 28, I. 2,1, nebst Theophi¬ 
lus im Fall der zufälligen Getreidevermischung 
die Entstehung der Gemeinschaft in Abrede stellen, und 
demnach die frühere Behauptung hierauf nicht bezogen 
haben wollen. Es bleibt von den angeführten Beispie¬ 
len also nur der Fall des vermischten Bleis und Sil¬ 
bers übrig. Da hier nun jede Materie wegen der Wie¬ 
derauflösbarkeit der Verbindung im Grunde dieselbe 
bleibt; so kann der Strenge nach auch hier nicht von 
einer Mixtio und Confusio der Materia die Rede seyn. 
Wenn es also in den obigen Stellen heißt, auch durch 
casuelle Vereinigung entstände, wie durch absichtliche 
stets eine Communio, möchte der Stoff ejusdem ge¬ 
neris seyn, oder diversae; so ist dieß nur auf den 
Fall der hier eintretenden Specification, sowie der ei¬ 
gentlichen substantiellen Confusion zu beziehen, und 
also kein wahrer Widerspruch zu statuiren. Dieß wird 
auch dadurch bestätigt, daß die Institutionen für den Fall 
der Vermischung von Stoffen verschiedener Gattung 
stets eine neue propria species eintreten lassen 
und also auch Specification statuiren; so daß der Ge= 
gensatz, die Vermischung von Stoffen ejusdem gene¬ 
ris, also nur für den Fall der Confusion übrig bleibt.— 
Fragen wir nun, wie nach dem Seitherigen es zu er¬ 
klären ist, wenn die L. 78, D. (46, 3.), de solution. von 
den gezahlten frem den Geldern sagt, „si mirti 
essent, ita ut discerni non posent, ejus fieri. 
qui accepit," so kann dieser Fall, schon wegen 
der nicht eintretenden Communio, nicht nach den Rezeln 
Max-Planck-Institut für 
a Berl 
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der Confusion beurtheilt werden. Dagegen reiht er sich 
insofern äußerlich an obige Fälle der Specification, 
als auch hier für den Empfänger alleiniges Eigenthum 
erworben wird. Allein auch nach innern Gründen möchte 
dieser Gesichtspunkt als der allein richtige erscheinen. 
Eine nova species wird bei fungibeln Sachen ange¬ 
nommen, wie oben gezeigt ward, sobald die ältere 
Materie in der neuen Vermischung nicht mehr nach¬ 
gewiesen werden kann. Dieß ist auch hier der 
Fall; die Geldstücke sind in eine so wesentlich verän¬ 
derte Lage gekommen, daß sie nicht mehr nachgewiesen 
werden können. Berücksichtigt man nun zugleich die 
Natur des Geldes, als eines allgemeinen Tauschmit¬ 
tels, so darf man mit Recht sagen, daß jede neue Geld¬ 
Casse eine neue Species des größern Genus ist, insofern 
nämlich in ihr die eigenthümlichen Ausgaben und Ein¬ 
nahmen einer besondern VermögensAdministration sich 
concentriren. In der möglichen Circulation des Geldes 
als eines allgemeinen Tauschmittels aus einer Casse in 
die andere besteht die generelle Natur desselben; in jeder 
einzelnen Casse nimmt es aber gleichsam eine neue spe¬ 
cielle Natur an. Ist dieses der Fall; so muß auch 
nothwendig in dem Einwerfen des fremden Geldes in 
die eigne HauptCasse eine wesentliche Ver¬ 
wandlung desselben liegen, und daher nach obigen 
Regeln der Specification ein Eigenthumserwerb. Ist 
hingegen ein Haufen Geld absichtlich oder zufällig mit 
einem bloßen anderweitigen Haufen vermischt worden; 
so liegt weder eine substantielle Vereinigung, noch 
eine wesentliche Verwandlung vor, weßhalb auch an 
sich eine Unterscheidung noch möglich und zulässig ist, 
und statt einer Actio communi dividundo, wie beim 
vermischten Getreide, nur eine Actio in rem eintritt; 
wie auch in der heutigen Theorie gewöhnlich angenom¬ 
men wird. — 
(Fortsetzung folgt.) 
Correspondenz= und Zeitungsnachrichten. 
Gotha, v. 18. Febr. (Legislative Verhandlungen des letzten 
Gothaischen Landtages.) Bei dem am 15ten d. M. Statt gehab¬ 
ten feierlichen Schlusse des Landtages, hielt der wirkliche Geheime¬ 
rath, Hr. v. Carlowitz Excellenz, eine Rede, aus der wir 
nachstehende gedrängte Uebersicht der auf dem Landtage verhandel¬ 
ten legislativen Gegenstände mittheilen: „Kaum war 
durch eine zweckmäßigere Geschäftsordnung in den Berathungen 
eine allgemeine Theilnahme und ein erhöheteres Interesse für die 
sämmtlichen Glieder der Versammlung erlangt; so legte die Lan¬
	        
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