Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

welche in manchen Fällen gestattet war und allmählich 
die Aufhebung des ganzen Unterschiedes von Jus un 
Judicium herbeiführte (S. Heffter, Instit. d. Röm. 
Civilproc. S. 401 u. ff. u. Zimmern, Rechtsg. B. 
3. S. 233 u. ff.) 
L. 1, §. 3; L. 2; u. L. 3, pr. u. §. 1. Ueber 
die Universitas rerum. Diese Stellen sind 
höchst wichtig für den Begriff des Eigenthums an einer 
Universitas, sowie für die wahre rechtliche Natur der¬ 
selben. Wir sehen hieraus, daß z. B. an der Heerde 
ein von dem an den einzelnen Köpfen verschiedenes 
Eigenthum gedacht wird, welches auch durch eine be 
sondere Vindication aufrecht erhalten werden kann 
(Grex, non singula corpora vindicabuntur). Je- 
nes Eigenthum an der Universitas ist aber bedingt 
durch das Eigenthum an der Mehrzahl der einzelnen 
Capita. — Von diesem ganzen Rechtsverhältniß ist in 
unsern Lehrbüchern so gut wie gar nicht die Rede. Zur 
richtigen Auffassung dieser Lehre dient besonders die 
Analogie der Universitas personarum, indem beide auf 
denselben GrundPrincipien beruhen. Daher sind auch 
hier die Rechtsverhältnisse der einzelnen Capita von de 
nen der ganzen Universitas verschieden; daher wird 
auch hier die Universitas durch die Majorität der 
singula capita vertreten. Es besteht übrigens, was 
die hier zunächst nur in Betracht kommenden Univer¬ 
sitates ex distantibus capitibus betrifft, eine rechtliche 
Verschiedenheit, jenachdem ihre einzelnen Capita we¬ 
sentlich nur Res corporales, oder auch Res incor¬ 
porales sind. Nur auf die erste Art ist die Rei vindica¬ 
tio ausgedehnt. Für die zweite Art, wohin namentlich 
die Hereditas, die Dos, das Peculium (jedoch dieses 
nur mit gewissen Beschränkungen, s. B. 1. N. 104. 
S. 414 dieser Zeitung) gehören, bestehen eigne Kla¬ 
gen, sowie auch der Begriff des Eigenthums im stren¬ 
gern Sinn nicht auf sie angewandt wird. Jedoch tritt 
auch hier der rechtliche Character einer Universitas auf 
dieselbe Weise hervor; weßhalb z. B. die Res legata 
als Res hereditaria bis zur Ueberlieferung noch imme 
der Universitas angehört, ihr ihre Früchte zuwendet, 
u. s. w. und weßhalb die Dos als Universitas betrach¬ 
tet dem Ehemanne gehört, wenn auch die einzelnen 
Res dotales der Frau, woraus sich die vielbestrittene 
Frage über das Eigenthum an der Dos von selbst zu 
beantworten scheint. Jene rechtliche Verschiedenheit der 
Universitates rerum hat die neuere Unterscheidung 
Max-Planck-Institut für 
zwischen Universitas juris und facti zunächst veranlaßt, 
welche daher auch, bis auf den Namen, richtig ist, so¬ 
bald man sie auf Obiges bezieht. Hingegen falsch ist 
es, jede Masse von Sachen als eine Universitas fäcti, 
und jede Masse von Rechten als eine Universitas juris 
zu bezeichnen. Das Ameublement eines Hauses z. B. 
ist, sowenig wie das Vermögen eines Lebenden eine 
Universitas. Daher heißt es auch L. 3, §. 1: Arma¬ 
menta navis singula erunt vindicanda, d. i. weil die 
Ausrüstung eines Schiffes keine Universitas ist; so kann 
sie auch sowenig, wie z. B. das ganze Vermögen mit 
Einer Klage eingeklagt werden. Ueberhaupt tritt bei 
solchen Massen von Sachen und Rechten die Analogie 
der Societas ein, weßhalb z. B. bei der Obligatio 
omnium bonorum jede einzelne Sache verpfändet ist 
und nach ihrem Austritt aus dem Vermögen ebenso 
verpfändet bleibt, wie der einzelne Socius auch nach 
seinem Austritt aus der Societät verhaftet ist. — Worin 
besteht nun aber, frägt man mit Recht, der Unterschied 
zwischen solchen bloßen Massen und wahren Universi¬ 
tates rerum? Dieses zeigt sich an dem in unserer 
Stelle angeführten Falle der Armamenta navis. Diese 
bilden offenbar deßhalb keine Universitas, weil sie nur 
einen factischen Mittel- und Einheitspunkt haben, das 
Schiff selbst. Dasselbe gilt vom Vermögen, das in 
dem Innehaber ebenfalls nur zufällig und äußerlich 
seine Einheit findet. Wenn aber dieser durch Tod, 
Insolvenz u. s.w. ausscheidet; so bildet das Vermögen 
eine wahre Universitas, indem es jetzt in sich selbst 
seinen Mittel- und Einheitspunkt trägt, und als ein 
selbstständiges innerlich verbundenes rechtliches Ganze 
auftritt, was ausnahmsweise sogar persönliche Rechte 
haben kann, wie die Hereditas und die Concursmasse, 
welche die Stelle des vorigen Innehabers vertreten. 
Eine Universitas rerum ist daher vorhanden, wenn 
mehrere Gegenstände in eine solche Verbindung getre¬ 
ten sind, daß dadurch eine von den einzelnen Be¬ 
standtheilen wesentlich verschiedene, und allein durch die 
Verbindung bedingte neue Sache entstanden ist. Dieser 
Begriff wird durch die Analogie einer Universitas per 
sonarum vollkommen bestätigt. Sowie hier aus der 
Verbindung eine neue Person hervorgeht, so dort eine 
neue Sache. Auch leidet jener Begriff auf die Uni 
versitas ex constantibus und ex distantibus capitibus. 
auf die Universitas juris und facti im obigen Sinne 
des Wortes gleiche Anwendung. Bei der Universitas
	        
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