Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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'Ebensowenig ist hier weiter auszuführen, daß 
getrieben, wenn dieselbe z. B. zu solcher Zeit bereits 
die R., da sie entschlossen war, in der AccouchirAnstalt 
von einem Andern sich schwanger befunden haben 
niederzukommen, ihren wahren Schwängerer bei Ge¬ 
sollte 5)." 
richt namhaft zu machen, nicht verpflichtet war: S. 
„2) Soweit ist nur noch zu zeigen, daß demselben 
Circular vom 20. Oct. 1797 8), daß folglich auch B. 
nicht einmal ein strafbarer Versuch einer Fäl¬ 
nicht straffällig geworden seyn würde, wenn er dieselbe 
schung zur Last gelegt werden könne. Dieses erhellt 
wirklich veranlaßt haben sollte, sich einer Befugniß zu 
aber, von andern Gründen abstrahirt, schon aus der 
bedienen, welche ihm, laut dieser gesetzlichen Vorschrift, 
zeitigen Reue, welche den B. veranlaßt hat, die R. 
nicht bestritten werden kann" 9). 
aufzufordern, ihre Schwangerschaft bei Gericht anzuge¬ 
„Die L. 10. C. ad L. Jul. de adult. paßt nicht 
ben, ehe noch eine Verleugnung seines Antheils an 
auf den vorliegenden Fall, noch entspricht er den jetzt 
der Sache vorgefallen war. Da nun im Art. 178 der 
in hiesigen Landen geltenden Strafgesetzen gegen Ehe¬ 
P.G.O. die Bestrafung des Versuchs eines Verbre¬ 
bruch, u. s. w. | | 
chens unter andern davon abhängig gemacht ist, daß 
der Thäter wider seinen Willen an Vollbringung der 
Missethat aus andern Gründen verhindert worden; so 
8) Siehe Not. S. 185. Jahrg. 1828. und Note 3. hier oben. 
wird mit Recht angenommen, daß ein Verbrechensver¬ 
Wörtlich ergibt sich, wie entfernt die Legislation, während sie 
den gemeinnützigen Zweck, die AccouchirAnstalt, welche zugleich 
such, welcher noch keine Rechtsverletzung enthält, we¬ 
Lehr Institüt für Geburtshelfer ist, mit Kreisenden zu versehen, 
gen zeitiger Reue des Thäters mit aller Strafe ver¬ 
verfolgte, von der Idee gewesen, die nach Note 3. empör¬ 
schont werden müsse: Feuerbach, Revision u. s. w. 
ten Wahrheitsentstellungen als straflos zu stempeln, — wie 
II, Bd. S. 269 fg.; Mark n, Crim.Recht, Ausg. 2., 
sie vielmehr lediglich den Standpunkt theilweiser Be¬ 
§. 49. N. 6.; Hepp, Versuche über Strafr.wiss. 
gnadigung auffaßte, aus der im Gesetz vom 20. Ock. 1797 
1827 S. 308 fg. 6). Daher bedarf es nicht der Aus¬ 
befindlichen Vorschrift, "daß die Geschwächte (in den S. 185. 
führung, daß die ihm zur Last gelegte Thatsache, als 
J. 1828 erwähnten Fällen) die acht Thaler Strafe nichtsdesto¬ 
minder tragen soll." — Man sage übrigens nicht etwa, das 
habe er die R. beredet, seinen Fehltritt vor Gericht 
Gesetz enthalte insofern eine Perplexität, als die Verheimli¬ 
zu verleugnen, aus den Acten keinesweges hervorgeht, 
chung des Schwängerers, sobald sie ermittelt ist, verschwin¬ 
indem B. vielmehr behauptet, die R. habe ihm solches 
det; denn theils lassen sich Verweigerungen der Ant¬ 
angetragen 7) und ihn durch die Androhung der ge= 
wort und Auskunft denken, theils möchte die Enthül¬ 
richtlichen Anzeige zu Eingehung eines Vergleichs mit 
lung des gespielten Betrugs nur weder auf die Quantität 
ihr bestimmt, bei welchem es sich dann von selbst ver¬ 
der Strafe, noch auf die Strafbarkeit an sich, streng juri¬ 
standen habe, daß sie ihn nur nicht gerichtlich angeben 
disch, Einfluß haben dürfen, so geneigt man in diesem 
werde, wie er solches auch nur als Folge des 
Falle zur Herabsetzung der Strafe, ex gratia sich bewogen 
finden wird. 
Vergleichs begeht, keinesweges aber die erste Ver¬ 
9) Sie lautet: „de crimine adulterii pacisci non licet, et 
anlassung däzu gegeben habe." 
par delictum est accusatoris praevaricatoris (i.e. ve¬ 
5) Fürwahr eine gefährliche Theorie! es würde daraus zu fol¬ 
rum crimen abscondentis L. 1. §. i. D. (48, 16.) et defu¬ 
gern seyn, daß jeder, der Einen erschießt, mit der nackten 
gientis veritatis inquisitionem. Qui autem pretium pro 
Behauptung sich rechtfertigen dürfe, möglicherweise 
comperto stupro accepit, poena legis Juliae de adulteriis 
könne in demselben Augenblick ein Andrer den Getödteten ge= 
tenetur." Es ist in der That nicht abzusehen, worin der 
troffen haben. 
Grund der Anwendbarkeit dieser Stelle auf Deutsche Länder, und 
6) Dieser Punkt mag allerdings zweifelhaft genannt werden: 
namentlich das hier fragliche, liegen sollte. In dem Römischen 
gern hätte Eins. die Lösung des Bedenkens hier gelesen, daß 
Begriffe vom Adulterium, imgleichen von Stuprumt (S. 
B. ja nicht zu der R. sagen ließ: sie solle ihn, als ihren 
Schweppe, Röm. Rechtsgesch. §. 512. Ausg. 2) darf man 
Schwängerer, — sondern nur, sie solle ihre Schwanger¬ 
ihn offenbar nicht suchen. Den des Stuprum hat die 
schaft anzeigen: erst wenn sie das, versteht sich in der ver¬ 
daneben fragliche ParticularGesetzgebung recht eigentüch in 
abredeten Modalität; ohne B. zu nennen, gethan hatte, 
sich ganz nach Römischem Recht aufgenommen, indem das 
stieg ja seine bezweckte Sicherheit. Wir hätten höchstens die 
Gesetz v. 1786 verordnet: „Diejenigen liederlichen Dirnen, die 
schon von Kleinschrod (Syst. Entw. Th. 1. §. 139) ver¬ 
„sich zwei und drei auch wohl mehr Male in Unehren schwän¬ 
worfene Revocatio mandati criminis tacita. 
„gern lassen, verdienen den Namen der (für straffrei erklärten) 
7) Siehe Note 4. 
„Geschwächten nicht, u. s. w." 
Max-Planck-Institut für
	        
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