Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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die Wände dürfen durchaus nichts enthalten, als das Glau¬ 
führt und Das festgehalten werden wird, was ihnen allen gemein 
bensbekenntniß der Gemeinde. Jede Familie hat die Sitze 
ist. — Die Philalethen stehen daher keiner bisherigen Kirche 
für ihre Mitglieder neben einander; die Reihefolge der Plätze 
oder ReligionsParthey feindlich gegenüber. Sie halten sich 
bestimmt alljährlich das Loos. — Die jedesmalige Gottes¬ 
verpflichtet, Jedermann das Recht der vollkommensten Ge¬ 
verehrung besteht aus einer stillen Andacht, aus einigen von 
wissensfreiheit einzuräumen, das sie für sich in Anspruch 
der Gemeinde gesungenen Liedern, aus einem von dem Geist¬ 
nehmen. Sie ehren jede Aeußerung von Religiosität und 
lichen vorgetragenen Gebete, aus einer von demselben ange¬ 
Frömmigkeit, welche aus einem redlichen Gemüthe entspringt, 
stellten erbaulichen Betrachtung, wozu zuweilen eine religiöse 
und halten heilig jedes Heiligthum, das die Förderung des 
Katechisation der Schuljugend kommt. Es gibt keine fest¬ 
Göttlichen zum Zwecke hat. — 
Es ist irreligiös, in 
stehenden Gebete. Keine gottesdienstliche Versammlung dauert 
einem Staate ansässig zu seyn, dessen Gesetze mit unsern 
länger als zwei Stunden. — Die Gottesverehrung wird 
religiösen Grundsätzen in Widerspruch stehen und in denen 
regelmäßig gehalten an den Ruhe- und Feiertagen. Der 
Die reli¬ 
namentlich keine Gewissensfreiheit herrscht. - 
Ruhetag ist jeder siebente Tag in der Woche. Es ist an 
giöse Gemeinde oder Kirche besteht aus der Gemein¬ 
sich gleichgültig, welcher Tag dazu beraumt wird; doch 
schaft derjenigen Personen, welche einerlei religiöse Grund¬ 
wird der bürgerlichen Verhältnisse wegen der vom Staate 
sätze bekennen, auf eine gemeinsame Weise das religiöse Le¬ 
oder von der Mehrzahl der Bewohner eines Ortes zum Ru¬ 
ben unter sich begründen und erhalten wollen. — Die Mit¬ 
hetag eingesetzte Tag gefeiert. Der Ruhetag ist der religiösen 
glieder der Gemeinde sehen sich als Glieder einer Familie 
Betrachtung und der stillen Häuslichkeit gewidmet. Die 
an. — Die Angelegenheiten der Gemeinde besorgt ein Ge¬ 
übrigen Feiertage sind: das Fest (?), des Gewissens (ein 
meinderath, bestehend aus dem Geistlichen und 
zwei Aeltesten. Ein Gemeindeausschuß von zehn 
allgemeiner Bußtag); der Neujahrstag (am 1 sten Januar); 
die Feste der Natur (an den Anfangstagen der vier Jahres¬ 
Mitgliedern steht dem Gemeinderath bei der Besorgung der 
zeiten); der Stiftungstag der Gemeinde; die vom Staate 
financiellen und andern wichtigen Angelegenheiten zur Seite. 
eingesetzten politischen Feste. — Die Kirche setzt auch für 
Die Berufung der Allgemeinde, bestehend aus sämmt¬ 
die wichtigsten Momente des PrivatLebens einen religiösen 
lichen gesetzlich volljährigen, männlichen Gemeindegliedern, 
Ritus ein: die feierliche Namengebung der Neugebornen, 
bildet die höchste und letzte Instanz der Gemeinde. — Die 
die Aufnahme in die Gemeinde, die Trauung, die Eheschei¬ 
Mitglieder der beiden Behörden werden von der Allgemeinde 
dung, die Beerdigungsfeier, die Eidesleistung. Letztere findet 
auf zehn Jahre gewählt; der Geistliche wird auf Lebenszeit 
auf Verlangen der Staatsbehörden und in Folge richterlicher 
von dem Gemeinderath mit Zuziehung eines deputirten Mit¬ 
Erkeuntnisse statt, nach der Formel: Ich schwöre bei 
gliedes des Gemeindeausschusses ernannt und von der Allge¬ 
dem einigen wahrhaften Gotte! — Diese Auszüge 
meinde in seinem Amte bestätigt. — Die Behörden der Ge¬ 
werden hinreichen, um den in mancher Hinsicht ehrenwerthen 
meinde theilen sich in zwei Abtheilungen; die eine trägt vor¬ 
Geist näher zu bezeichnen, aus dem jener Beitrag zur Ver= 
zugsweise die Sorge für die gemeinsame Jugenderzie¬ 
ständigung Gleichgesinnter hervorgegangen ist. „Niemand 
hung (das Schulwesen); die andere für die gemeinsame 
wird in Abrede stellen," sagt der anonyme Herausgeber, 
Gottesverehrung (Cultus). Der Geistliche gehört zu 
„daß eine große Anzahl der äußern Anhänger aller Kirchen 
beiden Abtheilungen. — Die Einrichtung der öffentlichen 
„nur solchen allgemeinen Principien von Herzen zugethan 
Gottesverehrung (Liturgie), so wie aller kirchlichen Ange¬ 
legenheiten wird von dem Gemeinderath entworfen, und 
„ist. — Nicht länger dürfen die wahren Jünger der Ver¬ 
wenn sie von der Allgemeinde angenommen ist, bleibt selbig 
„nunft den Vorwurf dulden, als wagten sie es nimmer, 
„sich ganz auszusprechen, als hielten sie immer mit ihrer 
33½ Jahr, vom Tage der Einführung an, unverändert 
Nach Verlauf dieser Frist wird sie der Revision einer Com¬ 
„wahren Ueberzeugung hinter dem Berge. Nicht länger 
mission unterworfen, welche aus dem Gemeinderath, zwei 
„sollte der Name „Deismus" verrufen seyn, als wär' er sinn- 
Mitgliedern des Gemeindeausschusses und vier von der All¬ 
„verwandt mit Diabolismus. Nur der Wahn ist gefähr¬ 
gemeinde gewählten Deputirten besteht. — In dem Bau 
„lich, und nur die Täuschung sucht das Dunkel; aber die 
und der Einrichtung des Bethauses soll die größtmögliche 
„Wahrheit muß endlich obsiegen vor den Augen Aller, die 
Einfachheit herrschen. Kein Bild wird in demselben geduldet, 
„das helle Tageslicht ernagen können. An die Wahrheit 
Max-Planck-Institut für
	        
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