Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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ein gemeinsames Gefühl haben, sondern auch einen bestimm¬ 
Aus diesem in der Kürze nachgewiesenen Grunde und 
ten Willen fassen, und eine entschiedene und kraftvolle Thä¬ 
Begriffe des Rechtes ergiebt sich auch, welchen Standpunkt 
tigkeit beweisen kann, wodurch die Nation eben auch zu einem 
der Rechtsgelehrte als solcher überall zu nehmen hat. Er 
eigenen handelnden Wesen im Gebiete des äußeren Lebens 
hat sich in die Mitte des wahren NationalLebens zu stellen, 
wird. Vorzüglich ist es nun aber der Staat welcher eine 
und die Nation in rechtlicher Hinsicht zu vertreten. Er weiß 
solche, für die äußere Wahrnehmung der öffentlichen In¬ 
und will nichts, als was seine Nation, von ihrem natürli¬ 
teressen entstandene Organisation des Volkes bildet, mag 
chen Standpunkte aus, in ihren bravsten und besten Män¬ 
nun alle öffentlichen Organe dieser Art in sich fassen, oder 
nern als Recht erkannt hat und beachtet sehen will. Er hat 
neben sich noch andere Organe mehr oder minder frei und 
zunächst überall das lebendige Recht vor Augen, wie es im 
unabhängig gestatten. Nur ist nicht zu übersehen, wie die 
Volke lebt, und ehrt Schrift und Gesetz nur, insoweit hierin 
Staatsgewalt nach ächt nationaler und rechtswissenschaftlicher 
jener NationalWille niedergelegt ist, widrigenfalls er das 
Ansicht, welche darum die Christliche, für das Reich Gottes 
wahre Recht zur Anerkennung zu bringen sucht, so weit die 
auf Erden geltende, nicht ausschließt, dasjenige Organ ist, 
ebenfalls von der Nation vorgeschriebene Ehrfurcht vor dem 
durch welches die Nation in ihren wichtigsten gemeinsamen 
Alterthume oder der öffentlichen Behörde es irgend gestattet. - 
Angelegenheiten thätig wirkt, weshalb die Staatsgewalt auch 
Was aber ins Gebiet des NationalLebens eintritt, ist auch 
nur in dem wahren National Willen und seiner Geltendmachung, 
einer solchen rechtlichen Beurtheilung unterworfen. 
nicht aber in blinder Fröhnung des sogenannten Zeitgeistes 
und der gewöhnlich sogenannten öffentlichen Meinung ihren 
Beruf erkennen darf *). Demnach erscheint auch der un¬ 
mittelbar durch die Staatsgewalt gebildete Theil des Rechts 
als in dem NationalLeben gegründet, mag man nun dabei 
Nach welchen Rechtsgrundsätzen hat bei einem 
auf die nationale Thätigkeit oder die nationale Stellung der 
streitigen Geschäft, wenn jeder Theil sich 
Staatsgewalt sehen. Wenn das Angeführte hier genügen 
sträubt, die Rolle des Klägers zu übernehmen, 
muß, nur den nationalen Grund alles Rechtes anzudeuten, 
der Richter zu verfahren und dem einen, oder 
(was für den folgenden Gang der Untersuchung wichtig wird); 
dem andern diese Rolle bescheidlich zuzu¬ 
so frägt sich noch, wie denn der Begriff des Rechtes 
erkennen? 
festzustellen sey. 
(Zwei in ihrer Bestimmung frappant von einander abweichende Ent¬ 
Wir betrachten dasjenige als das Recht einer Nation, 
scheidungen, die kurz hinter einander in einem und demselben Ge¬ 
was nach dem Willen derselben durch die öffentliche Natio¬ 
richt vorkamen, veranlaßten diese Rechtsfrage.) 
nal Thätigkeit und daher durch die verschiedenen öffentlichen 
Behörden der Nation als Regel und Richtschnur für das 
Leben des Ganzen oder der Einzelnen geltend gemacht und 
aufrecht erhalten werden soll. Es ist daher das Recht das¬ 
Caja beabsichtigte (der erste Fall) ein nuncupatives Te¬ 
jenige, worin die Nation für sich und ihre Glieder ihr Heil 
stament gerichtlich zu errichten und legirte darin dem Sohne 
und ihren Frieden findet, und was von ihr, mag es bereits 
ihres Bruders und Intestat Miterben, der zugleich mit zum 
besonders ausgesprochen und äußerlich sanctionirt seyn oder 
UniversalErben eingesetzt war, ein Legat, starb aber, ehe 
nicht, um ihrer selbstwillen, um ihres innern Friedens und 
das Gerichts Personal jene letzwillige Disposition niedergeschrie¬ 
ihrer äußern Sicherheit und Wohlfahrt willen, aufrecht er¬ 
ben, der Testatrix vorgelesen und solche von derselben an¬ 
halten werden muß. 
erkannt war. Nach deren Ableben entstand Streit über die 
Gültigkeit derselben, da der andere zum Universal Miterben 
miteingesetzte Bruder solche sowohl deshalb, als wegen an¬ 
dern gewichtigern Gründen, die nicht hieher gehören, nicht 
*) S. meinen Aufsatz über die wahre Stellung der Staatsgewalt 
anerkennen wollte und in Gefolge des kurzen Präliminar¬ 
zur öffentlichen Meinung mit Rücksicht auf Ancillon im 
Jahrgang 1828, Nr. 50. S. 199. u. f. der allgem. jur. Zeitung. 
Streites zwischen diesem und dem Legatar, wer mit einer 
Max-Planck-Institut für
	        
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