Full text: Allgemeine juristische Zeitung (Jg. 3 (1830))

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Erscheinung, als das Wesen des G. R. aufgefaßt hätten. Da die¬ 
Gebiete der Politik keine anderen Schranken setzt, als diejenigen, 
ses Herkommen Consuetudo genannt sey, so sprächen die Gesetze nicht 
welche in dem Recht gegründet sind. Außerdem stellt es fast Alles 
von der Gültigkeit des G. R., sondern von der Consuetudo, welche 
dem Ermessen der Gerichte anheim. Zum Glück besitzt der Kanton 
in der tacita civium conventio bestehe. Die Consuetudo sey Er- 
und vorzüglich die Stadt Zürich Instiz Stellen, welche schon lange eine 
kenntnißquelle des G. R., welches deshalb gelte, weil es Legis vi¬ 
Zierde dieses Staats sind und deren Mitglieder sich eben so durch 
cem habe. Die Röm. Juristen fragten demnach nur nach den Erfor¬ 
ihren vaterländischen Sinn, als durch Gerechtigkeitsliebe auszeichnen. 
dernissen der Gewohnheit; diese sey eine doppelte. Sie müsse lang¬ 
Diesem Umstande ist es zu verdanken, daß seit Erscheinung dieses 
dauernd seyn und es dürfe kein Grund vorhanden seyn, der es 
Gesetzes die politische Literatur in Zürich nicht gedämpft wurde, 
zweifelhaft mache, ob ihr eine gemeinsame rechtliche Ueber¬ 
sondern einen neuen Schwung erhielt. Mehrere bedeutende Klagen 
zeugung zum Grunde liege oder diese gar ausschließe. Da das 
über vermeintliche Preßvergehen wurden von den Gerichten als grund¬ 
G. R. ein Recht sey, könne von einem Beweise desselben nicht ge¬ 
los abgewiesen. 
sprochen werden; es falle der officiellen Erkenntniß des Richters 
anheim. Unter den Kaisern hätten sich von neuem G. R. gebildet. 
Kurze Nachrichten von neuen juristischen 
Der Verf. meint schließlich, daß in L. 2. C. (8. 53) die Zusammen¬ 
fassung der Röm. Theorie enthalten sey, und erklärt diese so: eine 
Schriften. 
lange Uebung sey allerdings für die Erkenntniß des Rechts von nicht 
29) Das Gewohnheitsrecht. Von Dr. G. Fr. Puchta, Pro¬ 
geringem Einfluß; sie setze aber eine gemeinsame rechtliche Ueber¬ 
fessor der Rechte in Erlangen (jetzt in München). Erster Theil. 
zeugung, einen Rechtssatz voraus; denn das äußere Moment hebe 
Erlangen 1828. VI. 234. 8. 
das innere, die Ratio juris et legis, oder die Rationem et legem 
Der Verf. hat die Absicht, das Ganze des Gewohnheitsrechts in 
nicht auf. — Ist es aber nicht gewagt, diese Stelle außer dem Zu¬ 
zwei Theilen, jeder aus zwei Büchern bestehend, dergestalt zu be¬ 
sammenhang mit den beiden andern Fragmenten zu erklären und ist 
handeln, daß im ersten Buche das Röm. G. R., im zweiten die 
wirklich keine Entgegenstellung der Consuetudo und der Lex vorhan¬ 
allgemeinen Lehren, im dritten die speciellen Lehren und im 
den? — Das zweite Buch, die allgemeinen Lehren enthaltend, also 
vierten das G. R. in seinem Verhältniße zu dem Kirchen-Criminal¬ 
die Theorie des G. R. als Resultat der neuern Zeit, theilt der 
Proceß= und Staatsrecht, dargestellt werden soll. Der Verf. von der 
Verf. in 4 Kapitel. Nachdem derselbe im ersten eine Uebersicht 
Ansicht ausgehend, daß in der ältesten Zeit dasjenige, was über das 
der Germanischen Volksentwicklung mit Beziehung auf das Recht ge¬ 
Rechtsbewußtseyn des Volks erforscht werden könne, mit den ältesten 
geben, wird im zweiten das G. R. erörtert, indem der Verf. drei 
Zuständen des Röm. Volks in Verbindung zu bringen sey, geht bei 
Rechtsquellen annimmt, nämlich 1. das Volk selbst, oder die na¬ 
Feststellung dieser Zustände von Niebuhrs neuen Erforschungen 
türliche Uebereinstimmung der Ueberzeugung, das Recht der Sitte; 
aus; doch vermißt man für die eignen Behauptungen des Verf. 
2. die Gesetzgebung und 3. die Wissenschaft. Hieran knüpft der 
leider die Beweise. Die Form, in welcher das Recht unmittelbar in 
Verf. die LiterärGeschichte des Begriffs vom G. R. Im 3ten Capi¬ 
dieser Zeit entstanden, sey die Sitte. Dieß nakürliche Recht heiße 
tel wird von der Gültigkeit des G. R. gesprochen. Diese sey mit der 
G. R. Was die Rechtsbildung nach den 12 Tafeln betrifft, so meint 
Existenz des Volks vorhanden. Daran knüpfen sich interessante 
der Verf., daß dasjenige Recht, welches sich neben dieser Gesetzge¬ 
Betrachtungen über die Stellung des G. R. in der Kirche, in dem 
bung gebildet, Interpretatio genannt sey, so daß hierunter keine 
Verhältniß des Kaisers dem Volke gegenüber, und im Verhältniß des 
bloße Eregese zu verstehen wäre. Mit Scharfsinn werden das jus 
Germanischen Rechts zu dem Römischen, indem der Verf. die An¬ 
gentium und die prätorischen Edicte behandelt und namentlich das 
sichten widerlegt, welche den Grund der Gültigkeit desselben in dem 
dunkle Jus adplicationis bei Cic. de orat. I. 39, trefflich erörtert. 
Recht der Autonomie und in dem Willen des Gesetzgebers stellen. 
Der Verf. spricht dann über Cicero und entwickelt einige Stellen 
Im vierten Capitel wird von dem Werth des G. R. gesprochen und 
über das G. R. als Vorbereitung zum Verständniß der Röm. Juri¬ 
zwar in Hinsicht seines Inhalts und seiner Form mit Beziehung 
sten. Zuerst erörtert er deren historische Ansichten. Da das G. R. 
des Einwurfs, daß das G. R. ein Jus incertum sey. — Aus die¬ 
in dieser Periode seine ursprüngliche Gestalt bereits verloren, indem 
ser summarischen Uebersicht geht die Reichhaltigkeit des vorliegenden 
es in die Rechtsorgane aufgenommen, verstehe Ulpian unter Jus 
Werkes deutlich hervor. Ref. muß sich der critischen Bemerkunger 
non scriptum nur das, was nicht aufgezeichnet sey, indem die 
enthalten; nur dies kann erinnert werden, daß es zu wünschen ge¬ 
aufgezählten Quellen bei den Juristen nur als Erkenntnißmittel 
wesen wäre, wenn der Verf. den Begriff der Mores tiefer erör= 
des Rechts aufgefaßt würden. In Beziehung der practischen An¬ 
tert und namentlich das Verhältniß von Mos zu den in unsern 
sichten der Röm. Juristen erinnert der Verf., daß anfangs in den 
Quellen vorkommenden boni und mali mores. Die philosophische 
particulären Rechten einzelner Civitates und in den Verhältnißen 
Exposition über die Bildung des Rechts ist sehr klar; möge der 
der Universitates zu ihren Mitgliedern das G. R. gebräuchlich ge¬ 
Verf. uns bald mit dem zweiten Theile dieses gediegenen Werkes 
blieben sey. Den Begriff und die Gültigkeit der Consuetudo betref¬ 
beschenken. 
fend, bemerkt der Verf., daß die Röm. Juristen mehr die äußere 
C. H. 
Göttingen, in der Expedition der allgemeinen juristischen Zeitung. 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für
	        
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