Full text: Beyträge zur juristischen Biographie, oder genauere litterärische und critische Nachrichten von dem Leben und den Schriften verstorbener Rechtsgelehrten auch Staatsmänner, welche sich in Europa berühmt gemacht haben (Bd. 4, St. 2 (1778))

212 XX. Johann Joachim Schöpffer. 
desselben, den Satz bejahet und ausgeführt hatte, daß 
man einen auch nur in Argwohn gerathenen Staatsbe¬ 
dienten ohne ordentliche Rechtsverfolgung am Leben 
und mit Confiscation der Guther zu strafen befugt sey. 
Schoͤpffer gieng im gemeldeten Jahre als Herzoglicher 
Justitzrath und erster Professor der Rechte dahin: jedoch 
war bereits am Mecklenburgischen Hofe der stillschweigende 
Entschluß gefaßt, ihn bald unter bessern Bedingungen zu¬ 
rück zu rufen. Es wurden daher die von ihm bekleideten 
Stellen nicht nur unbesetzt gelassen, sondern ihm auch gleich 
nach dem ersten Jahre seines Aufenthalts zu Kiel neue An¬ 
trage von Schwerin aus gethan. Der Todesfall des Herzogs, 
Friedrich Wilhelms, hinderte zwar die angefangenen Unter¬ 
handlungen, allein sie wurden von dessen Nachfolger, Carl 
Leopolden, desto geschwinder fortgesetzt, je sehnlicher Edzard 
Adolph von Petkum, der Prasident im geheimen Rathe, einen 
Mann nahe zu haben wünschte, welcher wider die gute 
Stadt Rostock die Feder nachdrücklich fuͤhren koͤnnte. 
Denn der Canzler von Klein liebte den Ort seiner Ge¬ 
burt viel zu sehr, als daß er sich dazu haͤtte sollen gebrau¬ 
chen lassen. Schöͤpffer fand keine Ursache sich zu be¬ 
denken, da der Nordische Krieg zu dieser Zeit auch die 
Kielischen Musen beunruhigte. Er verließ sie also im 
Frühlinge des Jahrs 1714. ob er schon damals das Re= 
ctorat verwaltete, und ergriff zu Rostock, ohne eine neue 
Einführung, weil man ihn als einen auf kurze Zeit Be¬ 
urlaubten ansah, von seinen vorigen Aemtern im Gerichte, 
im Concilio, und in der Juristenfacultät abermal Besitz. 
Nun gewann er das Vertrauen seines Landesherrn 
von Tage zu Tage mehr. Er überhäufte ihn mit glän= 
zenden, aber auch sehr beschwerlichen, Bedienungen und 
Geschäften. Bald nach seiner Rückkunft ward er Di= 
rector der Justitzcanzley, und des Consistorii daselbst. 
und im Jahre 1716. an den Russischen Kayser, Petern 
den 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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