Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 1 (1781))

Ohngefähre Idee zum Kriminalgesetzbuche. 549 
ner aufrichtigen Reue Verzeihung angedeihen lassen. 
Gott liest in dem Jnnersten unsers Herzens unsere Ge= 
sinnungen; aber der Gesetzgeber kann Sie nur durch 
die Handlungen erkennen, welche sie erzeugen. 
Wenn es der Gesetzgeber auf diese Weise anfängt, 
muß er eine glückliche Societät bilden, und, wo ich 
mich nicht irre, kann er gar keine andere Maaßregeln 
ergreifen, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, 
sich zu verirren. — Die Wachsamkeit der Obrigkei¬ 
ten muß niemals ermüden; — ein Augenblick Nach¬ 
läßigkeit erzeugt Jahrhunderte von Misgeschicken. 
Die Gesetze muͤssen so beschaffen seyn, daß die Obrig¬ 
keiten üͤberall mit eigenen Augen sehen, und Sie mus¬ 
sen niemals — unter dem Vorwand, das Laster in sei¬ 
nen Winkeln, in welche es sich verbirgt, aufzuspüren 
die Stimme der Angeber oder Spionen anhören. 
Wie unglücklich ist ein Staat, der dergleichen schädli= 
che Werkzeuge nöthig hat! — Sie sind nur der Un¬ 
gerechtigkeit und der Tyranney nothwendig, diese köͤn¬ 
nen sie nicht entbehren. 
— Es ist den Menschen 
viel daran gelegen, durch ein wechselseitiges Zutrauen 
vereint zu seyn; — die Gesetze, welche man liebens¬ 
werth machen will, müssen daher dieses Guts nicht be¬ 
raubet werden. —— Welche Unordnungen stuͤnden nicht 
zu erwarten, wenn die Delation durch Gesetze einge¬ 
führt wäre, und man zuweilen sich sträflich machte, 
wenn man das Amt eines Verräthers und eines Ange= 
bers nicht über sich nähme? — Alles sagt mir, daß 
das, was mir als ein Geheimniß auf mein Gewissen 
Mm 3 
gebun= 
Vorage: 
Max-Planck-Institut für 
europäische Rechtsgeschichte
	        
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