Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 1 (1781))

Von der Ehe. 
145 
der Ungewißheit der Vaterschaft der Pflicht entziehen, 
für die Früchte der weiblichen Fruchtbarkeit Sorge zu 
tragen: jene Zuneigung, jene innige Empfindung, 
die einen Vater mit seinen Kindern so zu einem ein¬ 
zigen Wesen umschafft, daß er in ihnen noch einmal 
geboren zu seyn, nach seinem Tode noch fortleben zu 
können glaubt, würde gänzlich verschwinden. Das 
Weib, derjenige zur Fortpflanzung mitwirkende Theil, 
der am meisten Mangel an eignen Versorgungsmit¬ 
teln leidet, und folglich auch am wenigsten im Stande 
ist, andere damit zu versehen, würde alsdann die 
Last allein tragen müssen, für den Unterhalt seiner 
Kinder zu sorgen. Zu dieser Bürde füge man noch 
die Unbequemlichkeiten und Schmerzen der Schwan¬ 
gerschaft und der Geburt: würde man nicht befüͤrchten 
müssen, daß eine so ungleiche Theilung und ein so 
großes Elend die Weiber zu dem Entschlusse brächte 
ihrer Pflicht, das menschliche Geschlecht fortzupflanzen, 
zu entsagen? Man kann nicht genug erstaunen, wenn 
man sieht, daß auf einander folgende Generationen 
sich ohne Unterlaß für die nächstkünftige Generation 
aufopfern. Diese für die menschliche Gesellschaft so 
nutzbare Thorheit, diese Täuschung der Zukunft, ver¬ 
sichert die Wohlfahrt der Menschheit und die immer¬ 
währende Fortdauer des Menschengeschlechts. Alle 
diese Vortheile hören auf, so bald die eheliche Ver¬ 
bindung aufgehoben wird. 
Wenn gleich eine augenblickliche und veränder¬ 
liche Verbindung der beyden Geschlechter eine Unord¬ 
nung ist, die keine Nation duldet; so giebt es doch 
Länder, 
— 
Max-Planck-Institut für 
DFC 
europäische Rechtsgeschichte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer