Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

XXVII. Leben und Schriften 
312 
seine Stellen zu verkaufen. Er hörte auf, eine 
obrigkeitliche Person zu seyn, und blieb ganz nur 
blos Gelehrter. 
Um aber durch seine Werke verschiedenen Voͤlkern 
zu nützen, mußte er diese Völker kennen. Daher 
sein Entschluß zu reisen. Er hatte den Zweck, al¬ 
lerwärts das Physische und Moralische zu untersuchen, 
die Gesetze und Verfassung jedes Landes zu studiren, 
beruͤhmte Gelehrte, Schriftsteller und Kuͤnstler ken¬ 
nen zu lernen, insonderheit aller Orten die seltenen 
und singulären Menschen auszuspaͤhen, deren Um¬ 
gang bisweilen ganze Jahre Beobachtungen und Au¬ 
fenthalts ersetzt. Montesquiou hätte mit Demo- 
krit sagen können: „Ich habe nichts versäumt, um 
mich zu unterrichten; ich habe mein Vaterland ver¬ 
lassen und den Erdboden durchwandert, um die 
Wahrheit besser zu erkennen; alle meine berühmte 
Zeitgenossen habe ich gesehen. Nur darinnen un¬ 
terschied sich der französische Demokrit von dem 
Abderiten, daß jener die Belehrung der Menschen, 
dieser ihre Verspottung zur Absicht bei seinen Rei¬ 
sen hatte. 
In Wien, wohin er seinen Weg zuerst nahm, 
unterhielt er sich öfters mit dem berühmten Eugen. 
Dieser Held, das Schrecken Frankreichs, (dem 
er so nützlich hätte seyn können) der dem Glücke Lude¬ 
wigs des Vierzehnten Gränzen gesetzt, und den Stolz 
der Osmanen gedemüthigt hatte, lebte itzt während 
dem Frieden ohne Pracht, liebte und trieb die Wissen¬ 
schaf= 
Volage. 
Max-Planck-Institut für 
DFG 
europäische Rechtsgeschichte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer