Full text: Magazin der Gesetzgebung, besonders in den königl. preußischen Staaten (Bd. 2 (1782))

des Herrn von Montesquiou. 
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weise selbst kluge Regierungen bisweilen das Ohr 
leihen, setzten durch einen untreuen Auszug die Froͤm¬ 
migkeit der Minister in Besorgniß. Montesquiou, 
der Stimmen des Publikums gewiß, hielt auf An¬ 
rathen seiner Freunde um die durch den Tod des 
Herrn von Sacy erledigte Stelle in der französischen 
Akademie an. Der Minister schrieb dieser Gesell¬ 
schaft: nie würde der König in die Aufnahme des 
Verfassers der persianischen Briefe willigen; er hätte 
dies Buch nicht gelesen: aber Leute, denen er trauete, 
hatten ihn vor der Gefaͤhrlichkeit und dem Gifte des¬ 
selben unterrichtet. Montesquiou fuͤhlte den Schlag, 
welchen eine Beschuldigung von der Art seiner Per¬ 
son, seiner Familie, und der Ruhe seines Lebens ver¬ 
setzen köͤnnte. Litterarische Ehren hatten in seinen Au- 
gen nicht den Werth, daß sie verdienten begierig gesucht 
zu werden; doch glaubte er nicht, daß man sich das 
Ansehen geben muͤsse, sie zu verachten, wenn sie sich 
darböten; so wenig er auch die bloße Entziehung der¬ 
selben als ein Unglück betrachtete. Aber eine Aus¬ 
schließung auf immer, und insonderheit die Bewe¬ 
gungsgründe von dieser Ausschließung schienen ihm 
Beleidigung. Er gieng zum Minister, sagte, daß 
er besonderer Ursachen wegen sich nicht zu den persia¬ 
nischen Briefen bekenne. Aber noch weniger ein 
Werk ableugnen werde, um das er nicht glaube er¬ 
rothen zu duͤrfen; nach dem Durchlesen der Briefe, 
nicht nach einer Angabe, verlangte er beurtheilt zu 
werden. — Der Minister ergrif nun den Weg, 
den er gleich anfangs haͤtte nehmen sollen; er las das 
Buch, liebte den Verfasser, und lernte prüfen vor 
dem 
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Volage. 
Max-Planck-Institut für 
tsges 
europäische Rec
	        
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