Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1849 (1849))

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Ueber die gerichtliche Polizei. 
terungen in die gerichtliche Untersuchung über, und es war, 
zumal nach Aufhebung der Trennung in inquisitio genera¬ 
lis und'specialis, der Anfangspunkt des eigentlichen reatus 
oft schwer zu finden. Jn denjenigen Städten und Ortschaf= 
ten dagegen, in welchen neben den Justizbehörden gut 
organisirte, meistens collegialisch eingerichtete Polizeibe¬ 
hörden bestehen, kommt es nicht selten vor, daß die letz= 
teren eine förmliche Untersuchung veranstalten und über 
den nächsten Zweck ihrer Thätigkeit weit hinausgehen, so 
daß die darauf folgende Untersuchung des Strafgerichts 
mehr als eine Wiederholung der polizeilichen Erörterungen 
erscheint. Der Verf. hat in seiner amtlichen Stellung 
dergleichen Fälle häufig zu beobachten Gelegenheit gehabt, 
und gefunden, daß die Ausdehnung dieser polizeilichen 
Erörterungen oft von rein zufälligen, nicht in der 
Sache selbst, sondern in der Persönlichkeit der betreffen= 
den Beamten und in der Einrichtung der betreffenden Be= 
hörden begründeten Umständen bedingt und abhängig 
gewesen ist. Dabei läßt sich zwar nicht in Abrede stel¬ 
len, daß im K. Sachsen wegen solcher Uebergriffe, welche 
in der That eine Rechtsverletzung oder selbst nur eine 
nicht erforderlich gewesene Beschränkung des Verdächtigen 
in seinen Befugnissen enthielten, sehr selten gegen die Po= 
lizeibehörden Beschwerde erhoben worden ist und im Allge= 
meinen dieselben, insbesondere bei dem guten Einverständ= 
nisse zwischen ihnen und den Justizbehörden, sehr dankens= 
werthe Dienste in den Untersuchungen geleistet haben. 
Es handelt sich im Vorliegenden nur von der repres= 
siven Thätigkeit der Polizei, welche die bereits verübten 
Verbrechen aufsucht, die Beweise derselben sammelt und 
die Uebertreter an die competenten Gerichte zur weiteren 
Untersuchung verweist. Bekanntlich betrachtet die fran¬ 
zösische Gesetzgebung die von dem Untersuchungsrichter ge= 
führte Voruntersuchung noch als einen Gegenstand dieser 
L1 2 
Vorge 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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