Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1840 (1840))

16 Der Entwurf eines Strafgesetzbuch | | 
das Verbrechen gedrohten Strafe diejenigen bestraft, 
welche wissentlich Gegenstände, die durch ein Verbrechen 
erworben wurden, verhehlt, gekauft, in Pfand genom= 
men oder zum Vortheil der Schuldigen verkauft oder ver= 
pfändet haben. Wenn erschwerende Umstände bei dem 
Verbrechen vorkommen, so trifft die schwerere Strafe die 
im vorigen Artikel bezeichneten Personen nur dann, wenn 
sie von diesen erschwerenden Eigenschaften zur Zeit der Be= 
gehung ihrer verbrecherischen Theilnahmshandlung Kennt¬ 
niß hatten. Wird jedoch durch jene Erschwerungen gegen 
den Thäter die Todesstrafe begründet, so trifft die Ver¬ 
hehler (art. 61.) statt derselben die Zwangsarbeitstrafe 
mit öffentlicher Ausstellung (art. 62.). Man bemerkt 
leicht, daß der eben mitgetheilte Titel des Entwurfs viel¬ 
fache Abweichungen von dem französischen Code pénal 
und gewiß auch viele Verbesserungen enthält, vorzüglich 
dadurch, daß nicht wie im Code pénal art. 59. alle 
complices mit der Strafe des Urhebers bestraft wer= 
den, sondern nach art. 56. mit gelinderer Strafe belegt 
werden, und daß der empörende art. 63. des französi¬ 
schen Code pénal gemildert worden ist. Auch enthal= 
ten die art. 57— 58. wichtige im Code pénal feh¬ 
lende Bestimmungen über eine der schwierigsten Fra= 
gen, die auch in unseren deutschen Strafgesetzbüchern 
sehr ungenügend entschieden sind; allein man bedauert, 
daß der Gesetzgeber wieder auf halbem Wege stehen 
blieb. — Der Code pénal umfaßt bekanntlich im 
art. 59. unter den complices die in Deutschland 
als Gehülfen bezeichneten Theilnehmer eben so wie die 
von den deutschen Juristen intellectuelle Urheber ge¬ 
nannten Personen; der Entwurf unterscheidet dagegen 
diese Arten und handelt im art. 54. von den intellectuel¬ 
len Urhebern, im art. 56. von den Gehülfen. Schon 
im vorigen Hefte des Archivs haben wir Vorschläge ge¬ 
Votage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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