Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1840 (1840))

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zwischen civilrechtl. und crim. Betruge. 
man doch auf der anderen Seite wieder die Persönlichkeit 
der Betrogenen in's Auge fassen, und wenn sie, wie dies 
gewöhnlich der Fall seyn wird, Leute sind, die nach ihrer 
ganzen Stellung und Lebensweise gar keine Gelegenheit 
hatten, mit dem fraglichen Geschäftsgange vertraut zu 
werden, sondern mindestens die Möglichkeit eines solchen 
Einflusses voraussetzten, so muß dann, unserer aufgestell¬ 
ten Regel gemäß, allerdings eine Strafe des Betrugs 
eintreten "3). — Noch bei weitem auffallender zeigt sich 
jedoch die Nothwendigkeit einer Berücksichtigung der Indi¬ 
vidualität des Beschädigten hinsichtlich der mancherlei Be¬ 
trügereien durch Zauberei, Geisterbeschwören, 
Goldmachen, Schatzgraben, Wahrsagen, u. dgl. 
Denn daß in allen diesen Fällen die Vorschriften unserer 
gemeinrechtlichen Quellen, welche, in Uebereinstimmung 
mit den Ansichten ihrer Zeit ***), die Möglichkeit von sol¬ 
1259 
chen Künsten voraussetzten, und daher durchgängig 
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eigene todeswürdige Verbrechen hieraus stempelten „ 
heut zu Tage nicht weiter angewendet werden können, son¬ 
dern daß vielmehr alle dergleichen Handlungen nur noch 
als besondere Arten des Betrugs aufgefaßt werden müssen, 
ist jetzt sowohl in der Doctrin als namentlich auch in den 
123) Tittmann, Handb. II. S. 493. Wächter, Lehrb. II. 
S. 493. Abegg, Lehrb. S. 618. Mittermaier zu 
Feuerbach's Lehrb. §. 181. Not. 1. 
124) Vgl. darüber Jarcke, Handb. II. S. 48 — 61. Ro߬ 
hirt, Geschichte u. System. III. S. 150— 153. 
125) Daß wenigstens die gebildeteren Römer anders dachten, ist 
bekannt. Vgl. Cicero de Natur. Deor. I. 26. Idem 
de Divinat. II. 24. Seneca, Natur. Quaest. IV. 7. 
Plinius, Natur. Histor. XXX. 1 sqq. Horat. Sa- 
tyr. I. 8, 23 sqq. Juvenal. Satyr. Vl. 511 sqq. 
126) P. G. O. Art. 109. Paullus, Rec. Sent. V. 23. 
§. 15—18. L. 13. D. ad L. Corn. de sicariis, L. 30. D. 
de poenis, L. 9. C. Th. de paganis, L. 2. C. J. eod. 
L. 3—7, C. Th. de maleficis, L. 4—7. C. J. eod. S. 
auch Tacitus, Annal. II. 32. 
Vorage 
Staatsbibliothel 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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