Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1841 (1841))

bei Ueberweisung des Jnquis. aus Anzeigungen. 615 
5. durch Zeugen, z. B. über die Gegenwart des Jn= 
culpaten an dem Orte der Thatverübung. 
Wenn das positive Gesetz für einzelne Fälle nicht etwas 
anderes bestimmt, so muß jede einzelne Anzeigung wenig= 
stens durch zwei sonst glaubwürdige Zeugen bewiesen 
seyn. Denn die Ueberweisung aus den Anzeigungen ge= 
hört ohnehin zu jenen Beweisesarten, deren Kraft, im 
Vergleiche mit dem Beweise aus dem Geständnisse und aus 
den Zeugenaussagen, am schwächsten ist. Die Gesetz= 
gebung muß daher diese Beweiseskraft wenigstens dadurch 
zu erhöhen trachten, daß die Anzeigungen, auf deren 
Grund die Ueberweisung Statt finden soll, durch zwei 
Zeugen bewiesen werden; denn möchte sich die Gesetz= 
gebung nur mit Einem Zeugen begnügen, so würde die 
ganze Ueberweisung nur auf Vermuthungen beruhen, und 
sich in der Art im Cirkel herumdrehen, daß die Ueber¬ 
weisung aus dem Zusammentreffen der Umstände, bezie= 
hungsweise die einzelnen Anzeigungen, eigentlich wieder 
nur aus dem Zusammentreffen der Umstände geführt wer¬ 
den würde. Die Glaubwürdigkeit der Aussage nur Eines 
Zeugen kann auch bei weitem nicht so genau geprüft wer= 
den, als wenn noch die Aussage eines zweiten Zeugen in 
Beziehung auf denselben Thatumstand hinzutritt*). 
34) S. meine Beweislehre §. 52. 
Vorege 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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