Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1854 (1854))

639 
des Gefängnißwesens. 
moralischen Zustande untersucht, daß vorzüglich nach der 
Beschaffenheit seines Gehirns, seine Individualität nach 
den vorherrschenden Neigungen, nach den besonderen mo¬ 
ralischen und geistigen Gebrechen des Sträflings erforscht 
und darnach seine Behandlung im Gefängnisse eingerichtet 
werden soll, weil der menschliche Organismus das Mit¬ 
tel ist, durch welches die moralische Einwirkung, die in 
der Strafe liegen soll, auf das Individuum zu geschehen 
hat, so daß auch Gefangene, mit ihren höchst verschie¬ 
denen organischen Zuständen, insbesondere des Gehirns 
einer gleichen Behandlung nicht unterworfen werden kön¬ 
nen und so auch die Wirksamkeit des Isolirungssystems 
eine sehr verschiedene sein wird. Man begreift leicht, daß 
gegen diese durch merkwürdige Beobachtungen 113) unter¬ 
stützten Vorschläge vielfache Einwendungen vorgebracht 
werden, welche sich darauf gründen, daß darnach der 
Charakter der Strafe verschwindet, daß die phrenologische 
Erforschung und die Schlußfolgerungen daraus trüglich 
sind, und die geforderte Behandlung der Gefangenen nach 
ihrer Individualität sich bald als willkürlicher und erfolg¬ 
loser Versuch zeigen werde. 
113) Vorzüglich gehört dahin die p. 64 gemachte (gewiß von den 
aufmerksamen Beamten jeder Strafanstalt bestätigte) Erfahrung, 
daß manche Sträflinge in der Einsamkeit mit einer mit lüster¬ 
nen und frivolen Bildern sich beschäftigenden Phantasie eine 
vorzügliche Lust an solchen Bildern haben und wo sie Gele¬ 
genheit haben, auf jedem Blättchen Papier oder an der Mauer 
obscöne Gegenstände zeichnen. 
(Fortsetzung im nächsten Hefte.) 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer