Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1854 (1854))

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der Schwurgerichte. 
Frage an den Angeklagten: ob er sich der Anklage gemäß 
„schuldig" bekennt. Bekennt sich der Angeklagte 
schuldig, so steht damit fest, daß der Angeklagte das in 
der Anklage benannte Verbrechen begangen hat. Der 
Richter setzt das Strafmaaß nach dem übertretenen Gesetze 
fest, und die Sache ist abgethan. 
Früher?) warnte der Richter, welcher zugleich als 
von Amtswegen bestellter Vertheidiger des Angeklagten 
angesehen wurde, wohl denselben, daß er nicht ein über¬ 
eiltes „schuldig" bekenne. Bentham führte aber aus, daß 
es unpassend sei, wenn dem Richter die Rolle auferlegt 
würde, den Angeklagten zu warnen. Seit der Zeit 
kommen auch dergleichen Warnungen nicht mehr vor. Es 
findet keine Erörterung darüber statt, welche einzelne 
Handlungen der Angeklagte zugesteht, und ob diese Hand¬ 
lungen auch wirklich den Thatbestand des zur Anklage gestell¬ 
ten Verbrechens bilden. 
Bekennt sich aber der Angeklagte nicht schul¬ 
dig, so wird jedem Geschworenen ein Abdruck der Anklage 
zugestellt, welche die dem Angeklagten zur Last gelegten 
concreten Handlungen enthält, und am Schluß das Ver¬ 
brechen benannt, dessen er beschuldigt wird. Bei der Ver¬ 
handlung wird indeß stets festgehalten, daß es nur darauf 
ankommt, die Geschworenen in den Stand zu setzen, ihrer 
Ueberzeugung gemäß „schuldig" oder „nicht schuldig" zu 
sprechen. Sobald dieselben erklären, daß sie hinreichend 
von der Sache unterrichtet sind, hört die Verhandlung 
auf. Eine Frage wird den Geschworenen nicht vorgelegt. 
Sie sprechen ihr „schuldig" oder „nicht schuldig," jenachdem 
sie annehmen, daß der Angeklagte das in der Anklage 
bezeichnete Verbrechen begangen hat oder nicht. Die 
2) Das englische, schottische und nordamerikanische Strafverfahren 
von Mittermaier S. 355. 
Vortage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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