Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1854 (1854))

Beiträge zur zweckmäßigsten Einrichtung 
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Läßt man dagegen den Richter über die Verwend¬ 
barkeit des Strafgesetzes auf die erwiesenen Handlungen 
urtheilen, so kommt diese laienhafte Auffassung des 
Strafgesetzes gar nicht zur Sprache. Der gelehrte Richter 
faßt das Gesetz im Zusammenhang mit dessen Vorarbeiten, 
Präjudikaten und wissenschaftlichen Commentaren auf. So 
lange die Richter das Strafgesetz so auffassen, wie es 
der Absicht der Staatsgewalt entspricht, wird sich kein 
Einschreiten der Staatsgewalt als nöthig herausstellen, 
wenn auch die Auslegung der Richter dem Laien unfind¬ 
bar ist. Erst die Zuziehung der Geschworenen bei Ab¬ 
fassung der Straferkenntnisse bringt deren laienhafte Auf¬ 
fassung zur Kenntniß der Staatsgewalt. Erst sie führt 
nothwendig dahin: die Strafgesetze so abzufassen, daß 
sie auch dem Laien verständlich sind. 
Es scheint jedoch nicht nöthig, diese Sätze und Mösers 
Ausspruch weiter zu rechtfertigen. Derselbe erfreut sich 
bereits allgemeiner Anerkennung. Dies hat sich auch bei 
der Berathung der preußischen Kammern über das Schwur¬ 
gerichtsverfahren im Jahre 1852 herausgestellt. Sowohl 
in der Kommission der 2. Kammer, als im Plenum 
wurde gerade Mösers Ausspruch von allen Seiten*) als 
Grundlage und Rechtfertigung des Schwurgerichts ange¬ 
sehn, aber, wie das so häufig geschieht, aus demselben 
Grundsatz wurden die verschiedensten Systeme abgeleitet. 
Bevor wir jedoch auf diese interessanten Debatten 
näher eingehen, müssen wir die Bestimmungen voran¬ 
schicken, welche nach dem englischen und französischen 
Rechte für die hier zu besprechende Frage gelten. 
Das englische Schwurgericht beginnt mit der 
3. Jan. 1849 
Vollständige Materialien zu der Verordnung vom 
104, 
S. 101, 
und dem Gesetz vom 3. Mai 1852. Berlin 1852 
107, 459, 466 u. 468. 
Vorage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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