Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1845 (1845))

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Ueber die Strafbarkeit des Duells 
die Vorlage des Gesetzentwurfes in der Sitzung der Pairs= 
kammer vom 14. Februar 1829 begleitete "). Die Ma= 
terie mußte auf die von dem Cassationshofe geschehene Ver= 
weisung nothwendig im Wege der Legislation regulirt wer= 
den, nachdem durch das Gesetz vom 30. Juli 1828 die 
frühere Behandlungsweise — 
mittelst authentischer In¬ 
terpretation durch einen Beschluß des Gouvernements 
aufgehoben war. Dieser Standpunkt, daß es sich um eine 
bloße Auslegung des bestehenden Rechtes nicht handle, 
wurde vom Minister ausdrücklich festgestellt, dabei aber 
die Ansicht ausgeführt, daß, wenn eine solche Auslegung in 
Frage stände, das gemeine Strafrecht allerdings als an= 
wendbar erachtet werden müßte. Aus dem höhern legis= 
lativen Standpunkte wurden nun besondere Bestimmungen 
über die Bestrafung der im Duell vorgekommenen Körper= 
verletzungen und Tödtungen vorgeschlagen, wonach die 
Jury, vor welche diese Sachen verwiesen würden, jedes= 
mal befragt werden sollte: ob mildernde Umstände vorlie= 
gen, wo sodann der art. 326. zur Anwendung zu bringen 
sey. Dieser Vorschlag erklärt es, warum bei der Revi= 
sion der Strafgesetzgebung im Jahre 1832 das Duell wie= 
der mit Stillschweigen übergangen wurde. Was nämlich 
in jenem Entwurfe für das Duell insbesondere vorgeschla= 
gen worden war, dehnte das Gesetz von 1832 in etwas 
anderer Form auf alle Verbrechen aus, und eine specielle 
Bestimmung dieser Art war überflüssig. 
Wie schwer es fällt, das entgegengesetzte System 
consequent durchzuführen, zeigen die Entscheidungen des 
französischen Cassationshofes vom 21. September 1821 
und 19. September 1822 (Dalloz Th. 28. S. 258- 
259), wo wegen der von dem Duellanten besonders be= 
kundeten mörderischen Absicht und Beharrlichkeit die An= 
17) Moniteur vom 15. Februar p. 201. 
Vorag 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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