Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1845 (1845))

Ueber den neuesten Zustand 
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Wir setzen die früheren Leistungen z. B. von Henke, von 
Wildberg, Mende, Meckel, Bernt, Eggert 
u. A. als bekannt voraus und halten uns nur an die Neue¬ 
ren. — Hier machen wir zuerst auf Zeitschriften für ge¬ 
richtliche Medicin aufmerksam. Das reichhaltigste Material 
liefern die oben unter Nr. 10. genannten Annales d'Hy¬ 
giène légale. In Bezug auf die Giftlehre in gerichtlicher 
Hinsicht enthält die Zeitschrift die wichtigen Forschungen 
von Orfila (wir werden unten davon handeln). Eine 
Zierde der Zeitschrift bilden die Aufsätze von Ollivier 
d'Angers; dieser Mann, der erst vor einigen Monaten 
durch den Tod entrissen wurde, gehörte zu den genialsten 
und tüchtigsten Gerichtsärzten. Seine Vorträge in den 
Gerichtsverhandlungen waren Meisterwerke wegen der geist= 
vollen Auffassung des Gegenstandes, und der klaren, gründ¬ 
lichen Beantwortung der Fragen. Noch in den letzten Hef¬ 
ten der Annales finden sich treffliche Aufsätze von ihm, z. B. 
Band XXIX. p. 149. über Kindesmord, Band XXX. 
p. 352. über simulirte Krankheiten u. a. Seine merk¬ 
würdigen Aufsätze über Schußwunden werden wir in dem 
Verfolg unserer Darstellung anführen. Die Zeitschrift, 
welche am längsten in Deutschland besteht, ist die von 
Henke viele Jahre hindurch redigirte. Nach seinem 
Tode ist sie von H. Siebert (prakt. Arzte in Bamberg) 
redigirt. Henke hatte große Verdienste um die gericht¬ 
liche Medicin, da er vielleicht mehr als die Mehrzahl sei¬ 
ner Collegen mit dem Strafrechte sich gründlich bekannt 
gemacht hatte, das Bedürfniß des Criminalisten erkannte 
und so z. B. für die Lehre der Tödtlichkeit der Verletzungen 
und des Kindermords eine neue Bahn in Deutschland ge¬ 
brochen hatte. Seine Zeitschrift lieferte alle Fortschritte 
der gerichtlichen Medicin, und enthielt gute Abhandlungen, 
freilich oft mittelmäßige Gutachten, die einzelne Gerichts¬ 
ärzte erstattet hatten. Die zu große Nachsicht des Heraus= 
Vonage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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