Full text: Archiv des Criminalrechts (N.F. Jg. 1845 (1845))

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für die Preuß. Staaten. 
2) Man hat es ferner unterlassen, den Begriff der 
Fahrlässigkeit zu bestimmen, was ebenfalls nur Billigung 
verdient, und man ist auch nicht in den Fehler neuerer 
Gesetze verfallen, welche darauf ausgegangen sind, be= 
stimmte Stufen oder Grade der Fahrlässigkeit zu fixiren. 
Hiermit muß aber zweierlei") nicht verwechselt wer¬ 
den, was zur Feststellung der Gränzen der bürgerlichen 
Strafbarkeit nothwendig ist: einmal nämlich die Frage, 
welcher Grad der Fahrlässigkeit überhaupt criminell be¬ 
straft werden soll? und zweitens die Frage, in wel¬ 
chen Fällen oder bei welchen Verbrechen die Fahrlässigkeit 
criminell zu strafen sey? In jener Hinsicht ist es bekannt, 
daß z. B. das gemeine Recht keineswegs jeden, auch den 
niedrigsten Grad der Fahrlässigkeit zu einer peinlichen 
Bestrafung für genügend erklärt; sondern das römische 
Recht bestraft nur lata culpa, magna negligentia, 
lascivia, luxuria, während zur civilrechtlichen Verbind= 
lichkeit, einen widerrechtlich angerichteten Schaden zu er¬ 
setzen, eine levis oder levissima culpa für genügend 
erklärt wird, und auch die P. G. O. Karls V. giebt beson= 
ders durch die im Art. 146. gewählten Ausdrücke und 
Beispiele deutlich genug zu erkennen, daß sie einen ge= 
wissen höhern Grad von Unvorsichtigkeit im Auge habe, 
im Uebrigen freilich Alles dem richterlichen Ermessen über¬ 
lassend. Eben so unterliegt es hinsichtlich der zweiten der 
obigen Fragen keinem Zweifel, daß gemeinrechtlich die 
culpa nur bei gewissen Verbrechen strafbar ist und neuere 
Gesetzgebungen (z. B. die Würtemberg. Art. 58., die Säch¬ 
sische Art. 32., die Braunschweig. §. 26. 29.) bestimmen 
3) Eine dritte, in concreto oft schwierige Frage, ob ein, mit 
einer gewissen gefährlichen Handlung in Verbindung stehender 
Erfolg als culpos herbeigeführt anzusehen sey? z. B. es geht 
Jemand höchst unvorsichtig mit Gift um, dies benutzt ein 
Dritter und vergiftet sich selbst oder Andere, — eignet sich 
nicht zu einer besondern gesetzlichen Bestimmung. 
Vorlage 
Staatsbibliothek 
Max-Planck-Institut für 
zu Berlin
	        
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