Full text: Neueste juristische Literatur (1781, St. 3 (1781))

554 Reflexions sur quelques points 
zugleich ist; so gibt es dem Verf. Veranlassung zu 
manchen besondern Betrachtungen über das Ver= 
hältniß der peinlichen und der Polizeigeseze ge¬ 
geneinander, wovon wir folgendes auszeichnen. 
(S. 172.) Polizeigeseze dörfen nie mit peinli¬ 
chen Gesezen vereiniget werden; sie sind beeder¬ 
seits von ganz verschiedener Art. Der Geist der 
Polizeigeseze beobachtet die allergeringsten Hand¬ 
lungen des bürgerlichen Lebens, die peinliche Ge¬ 
seze bemerken nur die wichtigsten. Die Polizei 
hindert den Bürger geringe Fehler zu begehen, 
die peinliche Gerechtigkeit bestraft wirklich began¬ 
gene Verbrechen; deßwegen neigt sich der Geist 
der Polizeigeseze zum Ausspähen, welches sein 
Exceß ist; der Geist der peinlichen Gerechtigkeit 
aber neigt sich zur Strenge, welche ihr Exceß 
wird. Die Polizei muß alles sehen, und viel 
verzeihen; die peinliche Gerechtigkeit muß nicht 
alles sehen, aber sie darf auch nichts verzeihen. 
Mit einem Wort: der wahre Geist der Polizei¬ 
gesetze besteht darinn, daß jeder Bürger, der ei= 
nen Fehler begehen will, in der Sache selbst 
oder unter den Menschen weit mehr Hindernisse 
findet, als in dem Verbot der Geseze: im Ge= 
gentheil aber bestehet der wahre Geist der pein¬ 
lichen Geseze darinn, daß jeder Bürger, wenn er 
wegen eines Verbrechens angeklagt wird, nichts 
als das Gesez niemals aber Menschen vor sich 
sieht. Noch ein Grund, warum Polizei- und 
peinliche Geseze von einander abgesondert werden: 
müssen, 
Staatsbibli 
Max-Planck-Institut für 
Berlin
	        
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